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Serie Indie-Autoren

Jonas Winner: Indie-Autoren sind auf E-Books beschränkt

Wie ticken Indie-Autoren? In einer neuen Serie stellt Indie Publishing Selfpublisher und Verlagsautoren vor, mit sachlichen, aber auch sehr persönlichen Fragen – vom Marketing-Rezept bis zum peinlichsten Lieblingssong. Diesmal: Jonas Winner.

Ihr Weg zum Autor

 Der erste Schritt war wohl die Erfahrung, dass es unglaublich aufregend sein kann, einen Roman zu lesen. Der zweite wichtige Schritt bestand für mich darin zu entdecken, dass ich als Journalist mit dem Schreiben Geld verdienen kann. Und schließlich ist mir klar geworden, dass ich nicht nur über Dinge berichten kann, die sich wirklich ereignet haben – sondern auch über solche, die nur in meiner Phantasie stattfinden.

Wann war Ihnen klar, dass Sie Autor werden wollen? 

Ich habe mal für einen kulinarischen Reiseführer geschrieben, bei dem es darum ging, in immer neuen Variationen über Menüfolgen, Sterneköche und Gourmetfreuden zu berichten. Irgendwann habe ich gemerkt, dass das, worauf es ankommt, nicht meine Kenntnisse in Restaurantkultur sind – sondern meine Fähigkeit, so zu schreiben, dass der Leser den Eindruck hat, vor Ort zu sein. Ich hatte das Gefühl, manchmal würde mir das tatsächlich gelingen – ich könnte meinen Leser in ein Restaurant führen, in dem er noch nie gewesen ist, allein durch die Sprache.

Aber das ist nur ein Moment unter vielen – die wahrscheinlich alle nötig waren, um tatsächlich den Entschluss zu fassen, es mit dem Schreiben als Beruf versuchen zu wollen.

Ihr bisheriger Bestseller? 

Bei gedruckten Bücher: „Der Architekt“, bei E-Books: „Berlin Gothic“

Nur Indie oder Hybrid? 

Ich habe vor einigen Jahren mal ein E-Book-Experiment gemacht, bei dem ich einen Thriller als Fortsetzungsroman in sieben Teilen veröffentlicht habe. Davon abgesehen habe ich alle meine Bücher über einen Verlag publiziert. Es hat natürlich große Vorteile, wenn sich ein Verlag um den Vertrieb, das Layout, das Lektorat etc. kümmert. Es bleibt einfach mehr Zeit für das Wichtigste: das Schreiben selbst. Ein weiterer großer Nachteil für reine „Indie-Autoren“ besteht in meinen Augen darin, dass sie eigentlich nur bei E-Books mit den anderen Verlagen konkurrieren können. Gedruckte Bücher aus dem Selbstverlag sieht man in keiner Buchhandlung. Als Indie-Autor ist man im Prinzip also auf E-Books beschränkt … andererseits kann man im E-Book-Bereich ein fertiggeschriebenes Manuskript viel schneller veröffentlichen – dieser Vorteil entgeht jemandem, der nur über Verlage publiziert.

Ihr Marketing-Schwerpunkt 

Meine Erfahrung ist, dass Marketing am besten mit Social Media funktioniert. Das virtuelle Teilen, Weiterleiten, Kommentieren etc. ist einfach unschlagbar: simpel, kostenfrei und schnell. Wenn es darum geht, so etwas wie einen gewissen „Buzz“ zu erzeugen, können Lesungen oder Flyer damit kaum mithalten. Die Verlage, bei denen ich bisher veröffentlicht habe (dtv und Droemer Knaur, im Juni auch bei Heyne) sind aber immer auch in anderen Richtungen aktiv gewesen. Das fand ich eigentlich sehr gut!

Ihr wichtigstes Ritual beim Schreiben? 

X Tassen Kaffee vorm Schreiben und nochmal so viele währenddessen.

In welchen Situationen bekommen Sie die besten Ideen für Ihre Bücher? 

Morgens unter der Dusche ist nicht schlecht. Den ganzen vorherigen Tag habe ich mich mit einem bestimmten Problem herumgequält, ohne eine Lösung zu finden. Dann habe ich eine Nacht drüber geschlafen, springe unter die Dusche – und plötzlich ist alles glasklar. Fertig duschen – zum Schreibtisch – aufschreiben! Großartig.

Ihr Lieblings-Genre?

Ich finde, es gibt tolle Sachen in allen möglichen Genres … tatsächlich ziehe ich mal dieses, mal jenes vor, sehr gern auch mal ein Buch, das in keine Genre-Schublade passt … Ich muss sagen, dass ich bei Filmen keine Schwierigkeiten habe, sie bestimmten Genres zuzuordnen, bei Büchern aber fällt mir das schwer. Edgar Allan Poe – ein Horror-Autor? Patricia Highsmith – eine Krimi-Schriftstellerin? Houellebecqs „Unterwerfung“ – ein Science Fiction Roman? 

Ihr No-go-Genre?

Hab ich nicht.

Welcher Autor inspiriert Sie am meisten? 

Das hat sich mit der Zeit immer mal wieder geändert. Als Kind war ich von Jules Verne oder Conan Doyle, Poe und Stevenson begeistert, dann kam die Phase mit den großen Realisten: Balzac, Tolstoi, Dostojewski, Dickens … als Jugendlicher bzw. „Young Adult“ habe ich zum Beispiel Kerouac, Chandler, Burroughs entdeckt, etwas später fand ich die modernen Amerikaner toll: Tom Wolfe, Jonathan Franzen, Stephen King oder John Grisham …

Was sind Ihre favorisierten ersten Sätze aus einem Roman? 

Sie meinen, welchen Romananfang ich gut finde? Ehrlich gesagt, kenne ich nur einen einzigen ersten Satz auswendig und das ist der oft zitierte Anfang von „Anna Karenina“: „Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; aber jede unglückliche Familie ist auf ihre besondere Weise unglücklich.“ Finde ich gut!

Welches Buch-Geschenk haben Sie zuletzt gemacht?

„Panikherz“ von Stuckrad-Barre. Finde ich ein umwerfendes Buch, in dem es – in meinen Augen – gelungen ist, die deutsche Sprache ein wenig zu modernisieren.

Ihre Empfehlung zum Folgen auf Twitter?

Wie meinen Sie das? Ich fürchte, ich verstehe die Frage nicht … Ach so, Sie meinen, wem zu folgen ich empfehlen würde? Ich selbst kann ja nicht anders, ich gucke ziemlich oft, was Mr. Trump zuletzt getwittert hat. Aber folgen würde ich ihm nicht.

Ihr letzter Facebook-Post?

Das ist bereits länger her. Vor einem Jahr habe ich eine Rezension meines Thrillers „Die Zelle“ geteilt. Wenn im Juni mein neues Buch „Murder Park“ erscheint, werde ich endlich wieder mehr auf Facebook machen. Freu mich schon drauf!

Ihr peinlichster Lieblingssong?

Äh … „No, no, never“ von Texas Lightning vielleicht .. ist das peinlich genug?

Ihr wichtigster Ratschlag für angehende Autoren?

Das kommt ein bisschen darauf an, was genau man schreiben will. Wenn man eine Reportage schreibt, sollte man – denke ich – anders an die Sache herangehen als bei einem Drehbuch – und bei einem Roman sieht es wieder anders aus. Bei einem Roman ist es am besten, würde ich sagen, wenn man mit dem Schreiben anfängt, sobald man die Grundidee im Kopf hat, und erst stoppt, wenn das Manuskript fertig ist. Das geht natürlich nicht, aber vielleicht sollte man so wenig wie möglich davon abweichen.

Weitere Teile der Serie finden Sie hier.

09. März 2017


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