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Serie Indie-Autoren

Béla Bolten: „Nur Indie. Mit Leib und Seele, aber undogmatisch“

Wie ticken Indie-Autoren? In einer neuen Serie stellt Indie Publishing Selfpublisher und Verlagsautoren vor, mit sachlichen, aber auch sehr persönlichen Fragen – vom Marketing-Rezept bis zum peinlichsten Lieblingssong. Diesmal: Béla Bolten.

Ihr Weg zum Autor

Meine erste Kurzgeschichte habe ich mit zwölf Jahren an die Schülerzeitung verkauft – als Honorar gab’s einen Gutschein für den vom Hausmeister betriebenen Pausenkiosk. Nach dem Geschichtsstudium erschien zum 50. Jahrestag der Pogromnacht mein Buch über die Vertreibung und Ermordung der Juden in meiner Heimatstadt, das in die Bibliothek von Yad Vashem aufgenommen wurde – darauf bin ich noch heute am meisten stolz. Vor 13 Jahren machte ich mich als Autor selbstständig (Texter, Ghostwriter, Personal Historian), las irgendwann einen Artikel über Selfpublishing und KDP, lud ohne jede Erwartung 2012 mein erstes E-Book hoch – der Rest ist Geschichte.

Wann war Ihnen klar, dass Sie Autor werden wollen? 

In der Quinta oder Quarta (Jüngere werden jetzt googlen müssen) nahm ich an einem Aufsatzwettbewerb der örtlichen Sparkasse teil. Ich war unter den Dutzenden Preisträgern, durfte auf die Bühne, der Sparkassendirektor schüttelte mir die Hand und überreichte mir ein Buch, ich wurde fotografiert und beklatscht. Ein paar Sekunden Ruhm. Ich muss zugeben, ich habe es genossen. Ich weiß noch genau, dass mich der Direktor gefragt hat, ob ich schon mal einen richtigen Roman gelesen hätte. Ich wusste nicht mal, was das war, nickte aber tapfer. Vermutlich glaubte er, dass ich für das gewonnene Buch zu jung war. Ich aber verschlang „Onkel Toms Hütte“ und Harriet Beecher Stowes Bestseller wurde einer der Herzensbücher, die ich immer wieder zur Hand nahm. So etwas wollte ich auch schreiben – und ein bisschen berühmt werden natürlich. Deshalb lautete meine Antwort auf die Frage, was ich denn einmal werden wollte, von nun an: Schriftsteller.

Ihr bisheriger Bestseller? 

„Leahs Vermächtnis“, der erste Roman mit den Ermittlern Bettina Berg und Alexander Thal. Dicht gefolgt von „Zwillingslüge“, dem jüngsten Band der Reihe.

Nur Indie oder Hybrid? 

Nur Indie. Mit Leib und Seele, aber undogmatisch. Zwischen Verlagen und mir hat es bisher einfach nie geklappt. Nicht, dass es keine Angebote gäbe, aber es reichte nie, dass ich mit Begeisterung hätte „Ja“ sagen können. Vielleicht sind wir Indies auch nicht die einfachsten Partner. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja doch irgendwann mal ein Projekt, das zu einer Liebesbeziehung führt.

Ihr Marketing-Schwerpunkt 

Von allem ein bisschen und wahrscheinlich von allem zu wenig und nichts richtig. Man verzettelt sich halt zu leicht.

Ihr wichtigstes Ritual beim Schreiben? 

Meine Bose-Kopfhörer (die mit der Geräuschreduktion) auf die Ohren und Musik an. Meistens Barock, sehr gerne Bach. Mein jüngstes Projekt wurde nahezu ausschließlich von den Goldberg-Variationen untermalt.

In welchen Situationen bekommen Sie die besten Ideen für Ihre Bücher? 

Mal hier, mal da. Meistens, wenn man überhaupt nicht daran denkt, oft genug genau dann, wenn man nichts zum Schreiben zur Hand hat und einen die Angst quält, diesen vermeintlich genialen Einfall wieder zu vergessen.

Ihr Lieblings-Genre?

Krimi, ist doch klar.

Ihr No-go-Genre?

Fantasy. Dafür fehlt mir vermutlich die Fantasie.

Welcher Autor inspiriert Sie am meisten? 

Patricia Highsmith. Niemand hat uns den Bösewicht so lieben lassen wie sie.

Was sind Ihre favorisierten ersten Sätze aus einem Roman? 

„Ich bin Max Schulz, unehelicher, wenn auch rein arischer Sohn der Minna Schulz, zur Zeit meiner Geburt Dienstmädchen im Hause des jüdischen Pelzhändlers Abramowitz. An meiner rein arischen Herkunft ist nicht zu zweifeln, da der Stammbaum meiner Mutter, also der Minna Schulz, zwar nicht bis zur Schlacht im Teutoburger Walde, aber immerhin bis zu Friedrich dem Großen verfolgt werden kann. Wer mein Vater war, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber er war bestimmt einer von den fünfen: der Fleischer Hubert Nagler, der Schlossermeister Franz Heinrich Wieland, der Maurergehilfe Hans Huber, der Kutscher Wilhelm Hopfenstange oder der Hausdiener Adalbert Hennemann. Ich habe die Stammbäume meiner fünf Väter sorgfältig prüfen lassen, und ich versichere Ihnen, dass die arische Herkunft der fünf einwandfrei festgestellt wurde.“
(Edgar Hilsenrath: „Der Nazi und der Friseur“. Ich liebe diesen einzigartigen Schelmenroman über Täter und Opfer der NS-Zeit)

Welches Buch-Geschenk haben Sie zuletzt gemacht?

„Die Falle“ von der wunderbaren Melanie Raabe.

Ihre Empfehlung zum Folgen auf Twitter?

Dazu kann ich nichts sagen, ich habe die Twitterei inzwischen aufgegeben.

Ihr letzter Facebook-Post?

Hat heute eigentlich schon jemand was Kluges zum Frauentag gesagt? Nein? Ist ja auch nicht mehr nötig, wir haben ja jetzt das Binnen-I. (Dazu ein Zitat von Christiane Nöstlinger über die schlechtere Bezahlung von Frauen)

Ihr peinlichster Lieblingssong?

„Song of you“ von einem gewissen Miguel Ríos. Bitte nicht googlen! Die Melodie kennt eh jeder und der Rest ... Leute, ich war 13!

Ihr wichtigster Ratschlag für angehende Autoren?

Man kann nur das gut schreiben, was man auch gerne liest.

 

 

Weitere Teile der Serie finden Sie hier.

15. März 2017


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