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Autoren

Erfolgsgeschichte

Selfpublisherin Frieda Bergmann wechselt zu einem Verlag

Was viele Autoren sich wünschen, ist für Frieda Bergmann wahr geworden:
Bereits kurz nach Veröffentlichung ihres ersten Romans „Samstag“ wurden Lektoren auf die Autorin aufmerksam. Und danach ging es in schnellem Tempo weiter: Das Debüt wurde zum Monats-Top-Titel bei ihrem Dienstleister TWENTYSIX gekürt und die Autorin im Frühjahr 2016 zu einem Autorencoaching für Self-Publisher auf der Leipziger Buchmesse eingeladen.


Nachdem lit.Love, JOLIE und TWENTYSIX sie dann zur Gewinnerin ihres gemeinsamen Schreibwettbewerbs kürten, festigten sich Bergmanns Ideen für ihren zweiten Roman, den sie nun nicht mehr allein, sondern in einem Verlag herausbringen wird (bei Blanvalet, Random House).

Interview mit der Autorin:
1. Ihre Geschichten gehen ans Herz ohne kitschig zu sein. Wie findet man die richtige Balance?
Vielen Dank für dieses Kompliment. Es ist mein Ziel, berührende Geschichten zu erzählen, die nicht klischeebehaftet sind. So genau kann ich Ihnen allerdings gar nicht sagen, wie das funktioniert. Vielleicht bekommt man diese Balance hin, wenn man versucht, sich beim Schreiben am richtigen Leben zu orientieren. Das ist nämlich auch nicht kitschig, kann aber sehr wohl für Momente sorgen, die das Herz berühren.

2. Welche drei Dinge braucht eine gute Liebesgeschichte?
Da sind zunächst die Hauptfiguren, die sympathisch rüberkommen müssen: Der wahnsinnig tolle Mann, mit dem man selbst gerne ausgehen möchte und eine Protagonistin, die so liebenswert ist, dass man sie sich als beste Freundin wünscht. Dann benötigt man etwas Unerwartetes: Wenn man die Handlung entwickelt, darf man sich nicht für das Offensichtliche entscheiden, sondern muss nach etwas suchen, das dem Leser nicht als Erstes und vielleicht auch nichts als Zweites in den Sinn kommt. Und zuletzt muss man sein Herzblut in die Geschichte fließen lassen. Denn der Leser spürt, wenn der Autor mit seinen Figuren mitempfindet.

3. Wovon handelte die erste Geschichte, die Sie in Ihrem Leben geschrieben haben?
Das war gar keine Geschichte, sondern ein Gedicht, das von Osterhasen handelt, die Eier anmalen. Damals war ich acht. Dann kam eine mehrjährige kreative Pause, nach der ich mich an einen Liebesroman gemacht habe. Meine allererste Geschichte ist also tatsächlich mein Roman „Samstag“. Darin geht es um die Liebe und die Entscheidungen, die diese uns oft abverlangt. Genauer gesagt, geht es um Hannah, die den dringenden Wunsch verspürt, ihr Leben zu verändern und deswegen für ein Jahr ins Ausland geht. Kurz vor der Abreise verliebt sie sich in Sam, einen Musiker, der mit seiner Band kurz vor dem Durchbruch steht. Die beiden werden dann vor etliche Herausforderungen gestellt und die Distanz München – Dublin stellt dabei das bei weitem geringste Problem dar.

4. Was ist Ihr beruflicher Background und wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Ich unterrichte Englisch, Geschichte und Deutsch an einem Gymnasium. Zum Schreiben kam ich, weil ich einfach Lust darauf hatte. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die ihr Leben lang davon geträumt haben, Schriftsteller zu werden. Ich bin eher eine spätberufene Schreiberin. Irgendwann gab es da eine Idee, die mich immer wieder beschäftigt hat. Offenbar wollte die erzählt werden und dann habe ich sie aufgeschrieben. Mir hat das großen Spaß gemacht und ich habe so viele positive Reaktionen auf meinen Roman erhalten, dass ich jetzt einfach Lust habe weiterzuschreiben.

5. Haben Sie ein literarisches Vorbild?
Eigentlich nicht. Zumindest keinen einzelnen Autor. Ich liebe die Art, wie J.K. Rowling schreibt. Das Gefühl, das sie mit ihren Geschichten beim Lesen erzeugt, finde ich faszinierend. Bei Simon Beckett oder dem leider schon verstorbenen Stieg Larsson mag ich die Raffinesse, mit der sie die Handlung entwickeln. Bei Jojo Moyes beeindruckt mich die Wärme, die zwischen den Zeilen steckt. Und bei Böll und Borchert mag ich die schnörkellose Sprache.

6. Ihr Tipp für alle, die wie Sie mit dem Schreiben beginnen wollen?
Einfach anfangen. Das Wichtigste ist, dass es Spaß macht und man Sympathie mit den erfundenen Figuren hat. Man sollte das schreiben, was man selbst gerne lesen würde, dann bleibt man authentisch. Zudem sollte einem der Stoff vertraut sein, denn das, was man kennt, kann man umso besser in Worte fassen. 2

7. Ein Buch zu schreiben kann ja ganz schön lange dauern! Haben Sie Tipps für angehende Autoren wie man beim Schreiben am Ball bleibt und den roten Faden nicht verliert?
Da gibt es ganz unterschiedliche Methoden. Ich arbeite mit einer Mischung. Wenn ich viel Muße habe, und mein roter Faden etliche Knoten aufweist oder mal kurzfristig verschwunden ist, spiele ich mit dem Denkbrett von Papyrus herum. Das ist unglaublich praktisch, aber da fehlt es mir noch ein bisschen an Routine. Wenn ich richtig gut eingearbeitet bin, „begleiten“ mich meine Figuren ohnehin die ganze Zeit, da lebe und fühle und atme ich mit ihnen. In dieser Phase ist mein zuverlässigster Helfer ein dickes Notizbuch: Da gibt es einen Teil, in dem ich die Figuren charakterisiere, einen Teil, in dem ich den Plot entwickle und einen, indem ich mir schöne Worte oder Wendungen notiere. Das Notizbuch habe ich immer dabei, da mir die besten Einfälle meistens kommen, wenn ich unterwegs bin oder mich mit etwas völlig anderem beschäftige. Am liebsten hätte ich noch ein riesiges Moodboard in meinem Schreibzimmer, an dem ich meine Ideen sammeln und kombinieren kann - etwas zum Anfassen, an dem ich planen, verschieben, verwerfen und neuerschaffen kann. Das muss ich mal in Angriff nehmen.
Was das Am-Ball-Bleiben betrifft, wenn man für die Geschichte brennt, will man ohnehin nicht aufhören zu schreiben. Und sollte das aus beruflichen oder privaten Gründen eine Zeitlang nicht gehen, kann das für die Story manchmal gar nicht so schlecht sein, weil sie sich im Kopf weiterentwickelt und man dann später umso bessere Kapitel aufs Papier bringt.

8. Wie kam Ihnen die Idee, Ihr Buch selbst auf den Markt zu bringen?
Als ich recherchiert habe, was man beachten muss, wenn man ein Manuskript einreicht, bin ich auf so viele ernüchternde Informationen gestoßen, dass ich mich nicht getraut habe, meine Anschreiben an Verlage abzuschicken. Dann habe mich für den Sprung ins eiskalte Wasser entschieden. Ich wollte einfach wissen, ob es Leute gibt, die meinen Roman lesen wollen.

9. Welchen Tipp würden Sie anderen Self-Publishern mit auf den Weg geben?
Steckt euer Herzblut in euer Projekt. Das reicht aber nicht, ihr müsst auch professionell sein. Ihr braucht jemandem, dem ihr vertraut und der euch schonungslos ehrlich sagt, wenn ihr „Schmarrn verzapft“ habt, damit ihr aus eurem Stoff die bestmögliche Geschichte schreiben könnt. Ihr braucht ein zuverlässiges Korrektorat und am besten auch ein professionelles Lektorat. Nur wenn ihr Qualität abliefert, werdet ihr auch ernst genommen.

Die Fragen stellte Opens external link in new windowTWENTYSIX.


© Frank Hanewacker, Sedan Sieben

Über Frieda Bergmann:
Frieda Bergmann lebt in Franken und hat Englisch, Geschichte und Deutsch in Regensburg und Dublin studiert. In ihrem Debütroman „Samstag“ erzählt sie davon, dass man in der Liebe zuweilen mutig sein muss. Ihr zweites Buch wird 2018 bei Blanvalet erscheinen.

Mehr über die Autorin auf Opens external link in new windowwww.friedabergmann.de.

07. August 2017


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