powerded by www.buchreport.de
Autoren

Interview mit Leonie Haubrich

Leonie Haubrich ist mit dem Thriller "Was du nicht siehst" unter die zehn Finalisten des Deutschen Selfpublishing-Preises bekommen. Hier lesen Sie ein Interview mit der Autorin:


Liebe Frau Haubrich, Ihr Psychothriller „Was du nicht siehst“ ist unter den Finalisten des Deutschen Selfpublishing Preises 2017 – hätten Sie damit gerechnet und wie fühlt sich das an?
Schreiben ist oft ein Rennen gegen Wände. Wer Autor werden will und seine Chance statistisch betrachtet, muss davon ausgehen, es niemals zu schaffen, vom Schreiben leben zu können. Ich bin Realistin, sehe auch beim Selfpublishing Preis die Relation: Von Anfang an war klar, dass sich auf einen der höchstdotierten Literaturpreise mit Gesamtgewinnen um die 100.000 Euro viele Autoren bewerben würden. Am Ende waren es dann rund 1800 Bewerbungen geworden. Deswegen habe ich vorsichtshalber mit gar nichts gerechnet und mir auch keine großen Hoffnungen gemacht.
Im Vorhinein hätte ich gedacht, dass ein Platz auf der Shortlist, der ja auch schon einiges an Aufmerksamkeit und Marketingunterstützung bedeutet, wäre wie ein emotionaler Sonnenaufgang. Geschafft. Zurücklehnen. Einmal stolz auf sich sein. Das Wissen, dass der eingeschlagene Weg richtig ist – so in der Art hatte ich es mir vorgestellt.
In der Realität ist es dann doch so, dass die Tage genauso sind wie vorher: Ich stehe auf, mache mich auf den Weg zur Schreibhütte, schreibe, plane, überarbeite. 99% des Tagesablaufs verläuft wie immer, aber dann gibt es doch dieses eine Prozent, in dem ich an die Shortlist denke und dann ist es bei mir eher ein leises Freuen.

Worum geht es in "Was du nicht siehst", können Sie unseren Lesern mehr erzählen?
Ein Stück weit ist der Psychothriller ein Anti-Thriller, der all das vermeidet, was ich in den letzten Jahren so oft gelesen habe, dass ich mir doch etwas Neues wünsche. So gibt es keine Polizeiarbeit, keinen Ermittlerstrang, keine ausgebreiteten blutigen Szenen, kein Horror, stattdessen ist es auch eine Erzählung über Menschen, die in ihren Schubladen feststecken. Der entlassene Mörder, die Schwester des Mörders, die Psychologin, sie alle sind in Rollen gefangen, die andere für sie erschaffen haben, auf der Suche nach sich selbst. Für mich selbst war es in erster Linie ein Ausprobieren, ein Experiment, Spaß am Schreiben. Ein Buch, das nicht moralisiert, aber doch zum Weiterdenken anregen soll.

Sie sind seit vielen Jahren erfolgreiche Selfpublisherin und veröffentlichen 2-3 Titel im Jahr – was ist Ihr Erfolgsrezept?
Ein wirkliches Erfolgsrezept gibt es nicht, aber eine Grundbedingung: Immer dranbleiben, sich verbessern, sich nicht auf Erfolgen ausruhen und vor allem sich ein dickes Fell gegen Enttäuschungen zulegen. Vor allem das Dranbleiben, das ist das Wichtigste beim Schreiben, denke ich, am Schreiben selbst und der inneren Stimme.

Sie wohnen und schreiben in Wiesbaden – wie wichtig ist Ihnen die regionale Vernetzung, z.B. mit dem Buchhandel?
Viele meiner Thriller spielen in Wiesbaden, wer die Stadt kennt, wird auch die Schauplätze direkt vor Augen haben, auch wenn es keine Lokalromane sind, die ich schreibe. Bisher habe ich mich in erster Linie auf das Internet gestützt bei dem Verbreiten meiner Bücher, weil dieser Weg derjenige ist, wo sich für mich am schnellsten etwas erreichen lässt. Als Selfpublisher steht man vor ähnlichen Problemen wie die Kleinverlage: Es gibt unzählige Publikationen, es ist ein Dschungel, den kaum einer mehr durchblickt. Präsenz im Buchhandel ist sehr, sehr schwer zu erreichen, selbst viele Titel der ganz großen Verlage sind nicht lange in den Regalen, wenn sie keine Bestseller werden. Trotz all der Schwierigkeiten würde ich mir eine stärkere regionale Vernetzung wünschen, dass es in den Buchhandlungen ein Regalbrett gibt für regionale Autoren, eine Auswahl, die sich nicht nach dem Bestsellerstatus orientiert und nicht danach, ob es eine Verlags- oder Selfpublishing-Publikation ist. Denn gerade da hat sich in den letzten Jahren viel bewegt. Bei der Verleihung des Selfpublishing Preises ging es schon bei der Longlist darum, "die Bücher mit wirklich professionellem Anspruch herauszufiltern, die ein Kunde in der Buchhandlung nicht von Verlagsprodukten unterscheiden kann.“ Gerade solche Preise sind auch eine Chance, diese Werke für den lokalen Buchhandel herauszuheben.

Der Gewinner des Deutschen Selfpublishing Preises 2017 wird mit seinem Buch groß promotet – 80.000 Euro Marketingbudget stehen bereit, um Ihr Buch in Buchhandlungen sichtbar zu machen. Wie wichtig ist Ihnen Präsenz im Deutschen Buchhandel?
Das Internet ist ein guter und einfacher Einstieg für alle Autoren, der Onlinebuchhandel macht es sehr leicht, auch mit Nischenprodukten und literarischen Experimenten Leser zu erreichen. Er bietet die beste Möglichkeit, direkt mit anderen Literaturbegeisterten in Kontakt zu kommen. Doch kaum etwas ist schöner, als sein eigenes Buch im Vorbeigehen im Buchhandel zu sehen, denn erst durch diese Präsenz wird ein Roman wirklich greifbar, finde ich.

Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Der Buchmarkt ist für mich …
Eine große Chance. In all den Jahren habe ich so viel Begeisterung für Bücher erfahren, von engagierten Buchhändlern, Lektoren, Korrektoren, Verlagsmitarbeitern, die weit über das hinausgeht, was man üblicherweise erwartet. Der Buchmarkt ist für mich in erster Linie ungeheuer vielfältig und trotz aller Krisen voller Innovation und Begeisterung wie kaum eine andere Branche.

Über die Autorin: Leonie Haubrich (Heike Fröhling) hat Germanistik studiert und als Journalistin für Frauenzeitschriften gearbeitet. Sie veröffentlicht als Selfpublisherin und auch als Verlagsautorin. Zur besseren Einordnung der Werke  erscheinen die Psychothriller unter dem Pseudonym Leonie Haubrich, die anderen Romane unter dem Realnamen Heike Fröhling.

 

Interview: Agentur Opens external link in new windowmainwunder

05. Oktober 2017


blog comments powered by Disqus