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Autoren, Bücher

Mit Fantasy und Historie auf das Siegertreppchen

Der Deutsche Selfpublisher-Verband hat 2017 erstmals einen Buchpreis ausgelobt. Sieben Branchen-Experten haben die Shortlist und die Gewinnerinnen ermittelt. Die Auszeichnung soll ein Schritt zu mehr Präsenz im stationären Handel sein. 


(c) Lars Poeck
Erste Auszeichnung: Die Preisträgerinnen Monika Pfundmeier (mit Urkunde) und Madeleine Puljic (mit Preisskulptur) posierten auf der Frankfurter Buchmesse zusammen mit den Jurymitgliedern und den Shortlistkandidaten des ersten Deutschen Selfpublishing-Preises.

Eine professionell besetzte Fachjury, ein beträchtliches Preisgeld, eine vielfältige Shortlist und zwei glückliche Siegerinnen: Der Startschuss zur Verleihung eines Deutschen Selfpublishing-Preises dürfte auf der Frankfurter Buchmesse 2017 weithin hörbar gewesen sein. Der Deutsche Selfpublisher-Verband hatte die Auszeichnung mithilfe engagierter Sponsoren aus der Branche auf die Beine gestellt, um zu zeigen, dass sich die Selfpublisher in den vergangenen Jahren immer weiter professionalisiert haben. „Es wurden sehr viele gut gestaltete und gut geschriebene Bücher eingereicht“, fasst ‧Jurymitglied Robert Duchstein, Geschäftsführer der Buchhandlung Reuffel (Koblenz), zusammen. „Für den stationären Buchhandel sind spannende Entdeckungen aus der Independent-Schmiede eine Bereicherung.“ 

Breit gefächerte Jury
Neben Duchstein gehörten die Autorinnen Nina George und Karla Paul, Neopubli-Geschäftsführer Florian Geuppert, Matthias Matting vom Selfpublisher-Verband, Ronald Schild, Geschäftsführer der Börsenvereins-Wirtschaftstochter MVB, sowie der „Zeit-Online“-Journalist Jochen Wegner zur Fachjury. Nach einer Vorauswahl aus rund 1900 eingereichten Titeln, von denen etwa ein Drittel die formalen Kriterien nicht erfüllten, erstellte die Jury eine Longlist, aus der schließlich die Nominierungen für die Shortlist generiert wurden. Erzählende Literatur war mit deutlichem Abstand das meistvertretene Genre, gefolgt von Krimi/Thriller, Science-Fiction/Fantasy, Kinder- und Jugendbüchern bis 11 Jahre sowie Belletristik/Romanhafte Biografien. Es durften nur Neuerscheinungen eingereicht werden, die noch nicht Gegenstand eines Verlagsvertrags oder Verlagsoptionsrechts und im Buchhandel verfügbar waren, nachgewiesen durch ISBN-Nummer und Eintrag ins Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB). 
Weiterhin wurden bei der Auswahl folgende, formale Kriterien angesetzt:

  • professionelles Cover
  • professionelles Lektorat/Korrektorat
  • professionelle Gestaltung des Innenteils (Satzspiegel, Typografie)
  • Einhaltung aller rechtlichen Nebenbedingungen (Impressum)
  • in sich abgeschlossenes Werk.


Inhaltlich gab es grundsätzlich keine Einschränkungen, ausgeschlossen wurden allerdings anstößige, pornografische oder rechtsverletzende Texte. Als Ziel des Preises ist formuliert, dass die eingereichten Titel ein Beispiel dafür liefern, dass Selfpublisher professionell, innovativ, sprachlich ausgezeichnet, erfolgreich und zielgruppengerecht arbeiten. 

Kriterien der Jury voll erfüllt
Der Fantasyroman „Noras Welten – Durch den Nimbus“ von Madeleine Puljic konnte die Fachjury in jeglicher Hinsicht überzeugen. Im Mittelpunkt des Romans steht eine junge Frau, die große Angst vor Büchern und Texten hat, weil sie während des Lesens in die Geschichten hineingerät. Sie begibt sich in Behandlung eines jungen Psychologen, der zunächst glaubt, es mit einer Verrückten zu tun zu haben. Als sie ihm jedoch vorlesend den Beweis liefert, fällt er mit ihr zusammen in einen historischen Fantasyroman und in ein spannendes Abenteuer. 
Die Dramaturgie der Geschichte, die Gestaltung und die saubere Schreibe hätten sie überzeugt, lobt Jurymitglied Nina George. „Madeleine Puljic hat für den folgenden Jahrgang des Deutschen Selfpublishing-Preises einen grandiosen Maßstab gesetzt“, meinte die Autorin. Puljic erhielt neben dem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro ein umfassendes Mediapaket, zu dem u.a. Anzeigen und die Präsenz in Social-Media-Kanälen der Kooperationspartner gehörten. Von den Medialeistungen profitierten nach Angaben der Veranstalter auch die weiteren Titel der Shortlist. Die Autorin Monika Pfundmeier wurde in Frankfurt mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Über diesen Preis stimmten Leserinnen und Leser auf der Website des Selfpublishing-Preises ab, indem sie die Shortlisttitel bewerteten. Das Sterne-System und die Möglichkeit, Textkommentare abzugeben, seien sehr gut angenommen worden, heißt es von den Organisatoren. Mehr als 600 Leserinnen und Leser hätten sich an der Wahl beteiligt. 

Positives Fazit, aber noch Potenzial
Mit der Resonanz auf den Preis zeigen sich die Veranstalter und Branchenvertreter rückblickend sehr zufrieden. „Der Preis bietet eine hervorragende Bühne, um dem stationären Buchhandel die Qualität und Vielfalt im Selfpublishing aufzuzeigen“, ist sich Iris Kirberg, Marketingleiterin bei Books on Demand, sicher. Robert Duchstein, der die Shortlisttitel in seinen Buchhandlungen präsentiert, stimmt der Einschätzung zu, dass der Preis die Qualität von Selfpublishing ins Bewusstsein des Lesepublikums bringen kann: „Wir wollen in diesem Jahr Veranstaltungen mit Selfpublishern anbieten.“ Die gute Vernetzung der Autorinnen und Autoren über Foren, Blogs und Social Media sei für die Buchhandlung ein großer Vorteil. 
Bei den Preisorganisatoren der MVB wird die Zahl der Einreichungen als Zeichen gewertet, dass die Auszeichnung in der Selfpublishing-Szene gut angenommen worden ist. Es sei ein guter erster Schritt in die richtige Richtung, um der Arbeit von Selfpublishern mehr Sichtbarkeit zu verschaffen und Barrieren im Buchhandel abzubauen. 
2018 soll die Auszeichnung ein weiteres Mal verliehen werden. Selfpublishing-Experte Matthias Matting hat im Dezember 2017 den Vorsitz des Selfpublisher-Verbands an die Autorin Vera Nentwich (s. auch S. 19) übergeben, um sich künftig der Organisation des Preises zu widmen.

Ulrike Peters

05. Februar 2018


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