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Auf einer Hallig hat man seine Ruhe...

Rezensiert: "Mord auf der Hallig: Nordseekrimi" von Ulrike Busch

Mord auf der Hallig ist der neueste Nordseekrimi von Ulrike Busch, in dem, wie es sich für einen "ordentlichen" Krimi gehört, Menschen aus niederen Beweggründen anderen Menschen nach ihrem Leben trachten. Kurz: Sie morden. Diesmal wird die Idylle der Hallig Langeneß getrübt und treibt die Polizei für ihre Ermittlungen auf die Warften.

 

Déjà-vu für Kriminalhauptkommissar Kuno Knudsen

Mord auf der Hallig ist der vierte Fall der Reihe "Ein Fall für die Kripo Wattenmeer". Der erste, Der Pfauenfedernmord, wurde hier bereits vorgestellt. Kuno Knudsen und sein Kollege Arne Zander von der Kripo Wattenmeer haben ein paar Tage Urlaub und wollen sich auf der Hallig Langeneß einfach nur erholen. Doch dann wird nach einer Nacht, während der eine heftige Sturmflut getobt hat, die Naturschützerin Beeke Klock tot in einer Bucht gefunden, kurz danach auch ihr Fahrrad. Knudsen und Zander beginnen mit ihren Ermittlungen, die sich auch wegen der norddeutschen Zurückhaltung der Halligbewohner ziemlich schwierig gestalten. Die Kriminalbeamten erfahren von einer Informationsveranstaltung, die am Vorabend im Forschungsinstitut "Nordfriesische Halligen" stattgefunden hatte, dessen Gründerin eben jene Frau Klock ist, die nun leblos im Sand von Langeneß liegt. Es drehte sich um ein aufwendiges Warftenzukunftsprogramm, das von der verantwortlichen Mitarbeiterin des Landesamts für Küstenschutz, Britta Tjaden, vorgestellt worden war. Britta stammt selbst von Langeneß, sodass man hätte meinen können, dass sie bei ihren früheren Nachbarn auf offene Ohren gestoßen war. Doch das Gegenteil war der Fall: Dem Grundanliegen, die Warften zu erhöhen und die Häuser darauf auch für die nächsten Jahrzehnte hochwassersicher zu machen, stimmten die Bewohner grundsätzlich zu. Aber der Teufel lag auch hier im Detail: Das Land Schleswig-Holstein wollte lediglich die Erhöhungen bezahlen, für die Abriss- und Wiederaufbaukosten ihrer Häuser sollten die Halligbewohner selbst aufkommen. Als ob diese Zumutung nicht schon reichen würde, wurden den Einheimischen die Entwürfe der Architektin Babsi Manhardt, wie ihre neuen Häuser aussehen sollten, vorgestellt: Keine mit Reet gedeckten roten Backsteinhäuser, wie sie für die Nordseeküste typisch sind, sondern Flachdachgebäude mit großen Glasfenstern. Die Volksseele im Saal brodelte so laut wie das Meer um die Hallig.

Das Leben auf Langeneß kann ungesund sein...
Etwa zeitgleich mit dem Fund der Leiche von Beeke Klock wird das spurlose Verschwinden von Britta Tjaden bekannt. Erste Mutmaßungen machen die Runde: Ist sie für Beekes Tod verantwortlich, weil sich die Naturschützerin vehement gegen Brittas Projekt ausgesprochen hatte? Aber wie hätte Britta Langeneß dann verlassen sollen? Klar ist nur: Sie ist kurz nach dem Ende der Informationsveranstaltung noch per Fahrrad auf der Hallig unterwegs gewesen, um Fotos von deren Zustand vor der Sturmflut zu machen. Ihre Schwester Tilda hatte ihr wegen des immer stärkeren Windes davon abgeraten, aber Beeke hatte das Risiko auf sich genommen.
Tilda meldet ihre Schwester jedoch erst am Morgen nach dem Unwetter als vermisst, ihre persönliche Betroffenheit hält sich in Grenzen. Auch Brittas Ehemann Paul, der telefonisch von der Polizei über das Verschwinden seiner Frau informiert wird, ist eher mäßig besorgt. Doch das Rätselraten dauert nur kurz: Im Deichvorland von Pellworm wird eine Frauenleiche angespült. Nach kurzer Zeit steht fest, dass es sich um die Vermisste handelt. Hat ihr Ehemann, der sich als spielsüchtiger und hoch verschuldeter, aber leider erfolgloser Unternehmensberater entpuppt, etwas mit ihrem Tod zu tun? Und was macht dieser Tourist Mario Meier eigentlich wirklich auf der Hallig? Sucht er tatsächlich nach seltenen Pflanzen und Tieren oder treibt ihn etwas anderes nach Langeneß?
Die Liste der Verdächtigen wird immer länger, aber nach und nach kommen immer mehr Sachverhalte ans Licht, die Zweifel an Britta Tjadens Integrität aufkommen lassen: Hat die Landesbedienstete tatsächlich Bestechungsgelder von einem wohlhabenden Halligbewohner entgegengenommen, wie es Babsi Manhardt gesehen haben will? Oder war alles doch ganz anders?
Kuno Knudsen und Arne Zander haben alle Hände voll zu tun, die beiden Todesfälle aufzuklären. Doch Knudsen ist noch nicht fertig mit Langeneß: Vor sieben Jahren schaffte er es nicht, die Gründe für das Verschwinden einer jungen Dänin zu ermitteln. Wird es ihm jetzt gelingen? Wie war's?

Mit Mord auf der Hallig gelingt es Ulrike Busch, ihren Lesern nicht nur einen spannenden Krimi zu präsentieren, sondern sie auf authentische Weise an die Nordsee zu entführen und ihnen das Leben und Wesen der Halligbewohner nahezubringen. Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben und lässt sich flott lesen. Die Autorin nimmt auf ein aktuelles Thema Bezug, mit dem sich die Halligbewohner und die zuständigen Behörden beschäftigen: Das Ansteigen der Meeresspiegel und die Häufung von schweren Sturmfluten zwingt zum Handeln, Aufwarftungen haben bereits stattgefunden und weitere werden folgen.

 

Ulrike Busch: Mord auf der Hallig, Books on Demand, 302 Seiten, 9,99€, auch als eBook-Edition erhältlich

ISBN 978-3-7460058-8-1

Rezensiert von Ina Degenaar, Opens external link in new windowInas Bücherkiste

11. August 2018


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