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Bücher

Rezensiert: Dani Parthum: Dr. No und die Unschuldigen

Anstrengend und detailliert

Rezensiert: Dani Parthums „Dr. No und die Unschuldigen“.

Als 2007 die Bankenkrise ausbrach, bastelte die HSH Nordbank gerade an ihrem Börsengang. Um den Gang aufs Parkett nicht zu gefährden, transferierte die Norddeutsche Landesbank faule Kredite vorübergehend an die französische BNP Paribas, um die eigene Bilanz aufzuhübschen. Der NDR deckte das fragwürdige Finanzgeschäft auf und 2013 mussten sich sechs frühere Vorstände der Bank um deren ehemaligen Finanzvorstand Dirk Jens Nonnenmacher („Dr. No“) wegen Untreue und Bilanzfälschung vor Gericht verantworten. Die Wirtschaftsjournalistin Dani Parthum gehörte zum NDR-Team, das den Skandal seinerzeit öffentlich machte. Später verfolgte sie über 62 lange Verhandlungstage das Strafverfahren vor dem Landgericht Hamburg. In ihrem Buch schildert sie das Verfahren mit einer Genauigkeit und Ausführlichkeit, die das Buch streckenweise zur anstrengenden Lektüre macht, aber dafür auch detaillierte Einblicke in das Innenleben einer Bank und die Abläufe eines Wirtschaftsstrafprozesses erlaubt. Außerdem sind die Informationen durch verschiedene Schriften, Absätze, Zwischenüberschriften und Hervorhebungen so übersichtlich strukturiert, dass man sich problemlos gezielt einzelne Aspekte heraussuchen und durcharbeiten kann. Der prominente Strafverteidiger Gerhard Strate, der das Verfahren durch eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ins Rollen brachte, hat ein Vorwort beigesteuert und lobt darin: „Mit dem Buch von Dani Parthum sind wir über die Verhandlung bestens unterrichtet.“ Das könnte auch deshalb noch interessant werden, weil das Ende der Geschichte noch aussteht: Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Freisprüche des Landgerichts Hamburg Revision eingelegt.

Dani Parthum: Dr. No und die Unschuldigen  364 S., 26,99 € (Hardcover, auch als E-Book verfügbar), Books on Demand,   ISBN 978-3-7347-5904-8

11. Juni 2015


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