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Rezensiert: „Die Quadratur des Circles“ von M.T. Rauser

Spiegel der digitalen Welt

Ein großer Konzern, der jeden Menschen glücklich machen will – ein Thema, das in Zeiten von Datenkrake Google und Facebook wichtiger denn je ist. Insofern hat „Die Quadratur des Circles“ die Indie-Publishing-Rezensentin magisch angezogen. Sie findet das Debüt von M.T. Rauser überzeugend – wenn auch mit kleinen Schwächen.

Joshua kann es noch gar nicht glauben: Er darf beim Circle, dem größten Technologieunternehmen der Welt, beginnen zu arbeiten. Obwohl er als Programmierer erstmal skeptisch gegenüber der schieren Macht des Circles ist, lebt er sich schnell ein und erkennt bald: Dem Konzern kann sich niemand entziehen. Und wer es versucht, wird auf die circle-eigene Art bestraft...

„Die Quadratur des Circles“ ist das Debüt von M.T. Rauser und hat mich aufgrund seiner Beschreibung magisch angezogen. Ein großer Konzern, der jeden Menschen glücklich machen will, ist ein Thema, das in Zeiten von Datenkrake Google und Facebook wichtiger denn je ist. Beim Lesen merkte ich schnell, dass der Autor sich über das Für und Wider genau so unschlüssig ist wie seine Hauptfigur Joshua.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler geschildert. Dabei steht jedoch Joshua und sein Werdegang beim Circle im Mittelpunkt. Und diese Karriere ist geprägt von schwachen Momenten, von Selbstzweifeln und von großen Erfolgen. Der Circle ist aus den Big Five des Silicon Valley entstanden, vereint alle Social-Media-Kanäle und greift bis in den letzten Winkel des Lebens ein. Und Joshua soll nun helfen, genau das noch effektiver zu gestalten. Denn der Circle hat viel vor. Das Schöne war, dass der junge Programmierer nie das eigene Denken eingestellt hat. Und so konnte ich seinen Gedanken, Zweifeln, aber auch Überzeugungen sehr gut folgen.

M.T. Rauser hält mit seinem Roman der Welt den Spiegel vor. Wann hat man selbst das letzte Mal den Status bei Facebook aktualisiert, eine Fitnessapp für die Joggingrunde genutzt oder einfach nur schnell das nächste gute Thai-Restaurant in der Nähe gegoogelt? All diese Daten werden heute schon gesammelt. Der Autor spielt mit dieser Sammelwut, baut sie zu einem wesentlichen Bestandteil des sozialen Lebens aus und zeigt, dass der Mensch befreit von lästigen Entscheidungen eines sein kann: glücklich. Doch wie glücklich ist man, wenn man keinen Fehler mehr begehen kann? Diese fast schon philosophische Frage beschäftigt nicht nur Joshua, sondern den Leser den gesamten Roman.

Zu Beginn wirkte der Protagonist gefestigt, er schien fest in seinen Überzeugungen und Zweifel. Je weiter die Story voranschritt, desto wankelmütiger wurde er. Dadurch verlor er an Glaubwürdigkeit. Denn Joshua änderte seine Meinung zum Circle schneller als dieser Daten auswerten konnte. Mal lobte er seinen Arbeitgeber in den Himmel, ein paar Seiten später hasste er wieder die dezente Überwachung und sehnte sich doch nach ihr. Ich konnte zwar seinen Argumenten folgen, jedoch fehlte mir immer mehr seine Grundüberzeugung.

Die Story an sich ist sehr gut konstruiert und findet eine gute Balance zwischen Erzählung und technischen Details. Das Finale war sehr gut vorbereitet, jedoch fehlt hier zum Schluss der kritische Blick. Auch verstrickt sich M.T. Rauser hier mit einer Begebenheit in einen Widerspruch, der sehr offensichtlich ist. Das tat zwar dem Lesespaß keinen Abbruch, hinterlässt aber einen faden Beigeschmack.

Der Stil von M.T. Rauser ist gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist distanziert, aber nicht kühl, und der Autor stößt mit kleinen Details seine Leser auf das eigene, ab und an unbedachte Verhalten. Toll.

Fazit: ein guter, wenn auch nicht komplett durchdachter Roman. Dennoch empfehlenswert.

Denise Börner, Opens external link in new windowTapsis Buchblog

M.T. Rauser: Die Quadratur des Circles. Paperback (auch als E-Book verfügbar), 256 Seiten, Books on Demand, ISBN 978-3-7392-1923-3, 8,95 Euro.

06. Juli 2016


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