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Rezensiert: „Berlin Blicke Ort“ von Clemens Menne

Berlin ist (k)ein Ort

Der Fotograf Clemens Menne macht in seinem Fotoband „Berlin Blicke Ort“ genau das, was er im Titel verspricht. Er zeigt Bilder von Orten. Doch das reicht nicht, meint die Rezensentin von Indie Publishing.


Nun ist es (soziologisch betrachtet) so: Ein Ort ist ein unbelebter Raum, in ihm sind Dinge und Menschen lediglich platziert. Was ihnen fehlt, ist die Beziehung zueinander. Orte sind also Räume ohne Beziehungen, sie sind neutral, weil erst durch gemachte Verhältnisse Nähe entsteht. Für mich als Berlinerin ist Berlin allerdings kein Ort, sondern gelebter Raum. Leider ist dieses wilde und schmutzige, verrückte und zärtliche Berlin nicht Thema dieses Buches. Gezeigt werden keine Bilder von Orten, die Räume schaffen und Begegnungen verheißen. Stattdessen geht der Fotograf auf Umwegen durch eine graue, triste Stadt, hält scheinbar wahllos belanglose Orte in Bildern fest, die irgendwo und überall sein könnten, nur nicht unbedingt in Berlin. Sein Blick verweilt auf Hausfassaden, Würstchenbuden, Graffitis, Denkmälern und Grünflächen oder auf halbnackten Frauen, die auf gepflasterten Gehsteigen herumliegen, sich auf den Vordersitzen von Autos räkeln.

Was zu sehen ist, lässt sich daher nur analytisch fassen: Der Bildband von Clemens Menne versammelt 51 Schwarz-Weiß-Bilder und neun Farbfotos auf insgesamt 84 Seiten. In elf Zitaten beschreiben ausnahmslos männliche Künstler eine Stadt, die im Bildband selbst nicht zu entdecken ist. Der Rest ist weiße Fläche und das Gefühl, dass hier ein wenig Farbe geholfen hätte. Manchmal ist mehr eben mehr.

Clemens Menne: Berlin Blicke Ort, Epubli, 92 Seiten, Hardcover, 19,90 Euro, ISBN 9783741850233

Katrin Herbon, sinnhaltig.com

09. Januar 2017


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