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Bücher

Lesetipp: Franz Schuh empfiehlt Dieter Thomä

Unterscheidung der Störenfriede

Der Schriftsteller Franz Schuh (aktuelles Buch: „Fortuna: Aus dem Magazin des Glücks“), der am 23. Mai in Wien mit dem Paul-Watzlawick-Ehrenring 2017 ausgezeichnet wird, empfiehlt „Puer robustus“ von Dieter Thomä.


„Man hört oft, die Gesellschaft sei gespalten, und damit meint man politische Unvereinbarkeiten. Es gibt aber, abgesehen von der angeblich überholten Rechts-Links-Dichotomie, in der Gesellschaft ‚Spaltpilze‘ – sie verkörpern antithetisch einander entgegengesetzte Konzepte. Ich zum Beispiel gehöre zu einem linksliberalen Juste Milieu aus Akademikern und Künstlern, in dem gesellschaftliche Außenseiter ein hohes Ansehen genießen. Ich komme aber aus einem kleinbürgerlich-proletarischen Milieu, in dem Außenseiter geächtet waren: Sie waren Störenfriede. Was für ein wunderbares Buch ist ‚Puer robustus‘. Die Differenzierung des ‚egozentrischen Störenfrieds‘ vom ‚exzentrischen Störenfried‘ und vom ‚nomozentrischen Störenfried‘ zeigt, was Philosophie ist, nämlich die Kunst, Unterschiede zu machen, aus der sich Gedankengänge ergeben. Im Fall von Dieter Thomä kommt zur Intelligenz die Eleganz des Ausdrucks. Auch die Themenwahl hat Gewicht: Der Störenfried, der harte Bursche, zwingt dazu, darüber nachzudenken, was denn ‚Ordnung‘ – störanfällig wie sie ist – bedeutet.“

Dieter Thomä, „Puer robustus“, 715 S., 35,00 €, Suhrkamp, ISBN 978-3-518-58690-7

14. Mai 2017


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