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Rezensiert: „Katzen an die Macht. 7 Leben zwischen Fressen, Schlafen und Regieren“ von Juljan Mecklenburg

Macht und Schein im Katzenkönigreich

Ein Kater lädt auf eine abenteuerliche Reise ein, die ihren Anfang an seinem Geburtsort nimmt und ihr Ziel über Umwege in seinem Königreich findet. Zur Reisegesellschaft gehören seine Schwester, seine beiden „Dosenöffner“ und zu guter Letzt eine zuerst unerwünschte, sich aber im Verlauf der Handlung als treue Leibwächterin erweisende Hundedame. 


Autor Juljan Mecklenburg lässt seine Hauptfigur aus der Ich-Perspektive erzählen und geht mit dieser Wahl ein großes Wagnis ein. Er muss sich und seinen Roman nicht nur dem Vergleich mit Jim Davis' "Garfield", sondern auch mit Akif Pirinçcis "Felidae“ stellen. Davis’ Comic und Pirinçcis Krimi weisen ähnliche Elemente auf, die auch Mecklenburg einzusetzen versucht. Sowohl Garfield als auch Kater Francis schildern die Ereignisse aus ihrer Sicht der Dinge, beide sind die treibende Kraft der jeweiligen Handlung, beide erweisen sich ihren Menschen gegenüber als haushoch überlegen. Das Verhältnis von Mensch und Tier wird auf den Prüfstand gestellt, ja sogar glaubhaft umgekehrt. Mecklenburg gelingt dies nicht.
Besonders stark ins Gewicht fällt die wenig glaubwürdige Charakterisierung der Hauptfigur. Die Behauptung, dass es sich bei dem Erzähler um einen Kater handelt, will untermauert werden. Hierbei ist die eigene, menschliche Perspektive, aus welcher das Verhalten des Tieres analysiert und interpretiert wird, die größte Falle, in die der Autor tappen kann und tappt. So versäumt er es beispielsweise, seiner Hauptfigur ein eigenes Vokabular an die Hand zu geben. Eine Spielkonsole bleibt eine Spielkonsole, ein Türschloss ein Türschloss, eine Mülltonne eine Mülltonne. Menschen in Anlehnung an „Felidae“ als Dosenöffner zu bezeichnen reicht einfach nicht aus, um einen authentischen Erzählkater zu schaffen.
Titel, Klappentext und erstes Kapitel von Mecklenburgs Roman lassen vermuten, dass die Handlung darauf abzielt, die Weltherrschaft des Katzenvolkes im Allgemeinen und der Hauptfigur im Besonderen zu begründen. Ein zerstörter Fernseher und eine zersprungene Vase sind jedoch noch lange keine Indikatoren für eine gelungene Usurpation. So gibt der Untertitel deutlich mehr Aufschluss: 7 Leben zwischen Fressen, Schlafen und Regieren bringt das Geschehen eher auf den Punkt, vom Regieren einmal abgesehen.
Vielleicht kann genau diese Alltäglichkeit so manchen Katzenliebhaber von Mecklenburgs Roman überzeugen. So richtig zu glauben scheint Mecklenburg dies allerdings selbst nicht: Zu Beginn fast jedes Kapitels, stellenweise auch zwischendurch, wundert sich sein Protagonist darüber, dass der Leser immer noch bei der Stange bleibt. Bis dieser sich ebenfalls fragt, warum er dies eigentlich tut.



Juljan Mecklenburg: Katzen an die Macht. 7 Leben zwischen Fressen, Schlafen und Regieren, 112 Seiten, 9,99 € (Paperback, auch als E-Book erhältlich), epubli, ISBN 9783745034721

Rezensiert von Renata Britvec

18. Dezember 2017


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