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Markt, Autoren

Bestsellerautor Martin Krengel über Selbstvermarktung

„Mensch hinter den Themen zeigen“

Martin Krengel, der als Selfpublisher innerhalb von vier Jahren über 60.000 Exemplare seiner Ratgeber „Bestnote“ und „Golden Rules“ verkauft hat, beschreibt im Interview seine Vermarktungsstrategien im Selfpublishing-Segment.

Martin Krengel ist promovierter Wirtschaftspsychologe und Selbstmanagement-Experte und hält europaweit Vorträge, Seminare und Workshops. Er begleitete Marketingprojekte für mehrere Start-ups, die Boston Consulting Group sowie T-Mobile international. Der Autor mehrerer Sachbücher hat mit Eazybookz auch einen eigenen Verlag.

 

Titel (Auswahl):

  • „Der Studi-Survival-Guide“ (2012)
  • „Bestnote“ (2012)
  • „Golden Rules“ (2013)
  • „Stoppt die Welt, ich will aussteigen!“ (2015)

Hat sich die Selfpublishing-Szene genügend professionalisiert?

Als ich 2006 als Autor angefangen habe, gab es noch keine Infrastruktur für E-Books. Ich wurde schief angeschaut, als ich eine eigene Webseite baute, um meine Leser direkt zu erreichen. Inzwischen hat sich einiges getan. Es gibt viele Indie-Autoren, die vom Schreiben leben. Sogar einige international bekannte Autoren sagen: „Ich mach das jetzt allein.“ Es gibt also eine klare Tendenz zum Do-it-yourself, weil die Entscheidungswege kürzer sind und es mehr Gestaltungsspielraum gibt.

Worauf sollten Selfpublisher beim Marketing achten?

Für mich beginnt Marketing vor der Buchveröffentlichung. 50% meines Erfolges beruht darauf, dass ich ein Produkt entwickle, das bunter, visueller und frecher ist als das, was es zu diesem Thema auf dem Markt gibt. Das kann ich mich nur trauen, weil mir kein etablierter Verlag auf die Finger klopft und sagt: „So geht das nicht.“ Mein neues Reisebuch „Stoppt die Welt“ hat 350 Farbbilder und Illustrationen. Das hätte mir kein traditioneller Verlag finanziert.

Wichtig ist mir auch, die Bücher am Kunden zu testen. Ich gebe es vorher ca. 10 Testlesern und kann durch deren Feedback ein für die Zielgruppe rundes Buch auf den Markt bringen. Nicht mehr die Programmkonferenz entscheidet darüber, ob das Buch überhaupt veröffentlicht wird, sondern der Leser. Er arbeitet mit, ein für ihn perfekt passendes Produkt zu kreieren. Ergebnis: Ich verkaufe schätzungsweise die Hälfte meiner Bücher durch Weiterempfehlungen.

Reicht das für den erfolgreichen Auftritt?

Ich würde mich in jedem Fall vor Erscheinen des Buches professionell beraten lassen und z.B. eine PR-Agentur buchen, die über die nötigen Kontakte zu den Medien verfügt. Sich das als Einzelperson selbst aufzubauen ist mühselig. Durch die Agentur bekomme ich heute Auftritte in Medien, die mich früher links liegen gelassen hätten.

Welche Aktion hat Ihnen den größten Erfolg gebracht?

Für die dritte Auflage meines Lernratgebers Opens external link in new window„Bestnote: Lernerfolg verdoppeln – Prüfungsangst halbieren“ habe ich eine größere Kampagne gestartet. Obwohl es schwer ist, Werbeausgaben durch margenschwache Buchverkäufe zu refinanzieren, dachte ich mir: Ziel Nr.1 ist es, die Bekanntheit zu steigern, um mit meiner hohen Weiterempfehlungsquote zu punkten. Ich habe drei Monate Vollgas gegeben, eine PR-Agentur gebucht, zehn Vorträge gehalten, Werbung in Newslettern gebucht, Artikel für meine Website geschrieben, Social-Media-Marketing gemacht. Durch diesen geballten Auftritt konnte ich gut die einzelnen Maßnahmen bewerten. Mein größter Erfolg war, dass ich so bis auf Platz 16 aller Bücher in der Amazon-Bestsellerliste vorrückte. Als Selfpublisher! Das hatte wiederum den Effekt, dass ich für ca. 1 Jahr mehr Sichtbarkeit und damit mehr Bestellungen hatte. Das hat mir komplett meine Weltreise finanziert, die Thema meines nächsten Buchs werden sollte. Fazit: Unbedingt genau tracken und testen, was funktioniert. Ansonsten bleibt das Marketing eine mysteriöse Glaskugel.

Und was hat konkret für Sie funktioniert?

Ich habe anfangs vor allem auf die Arbeit der Presse-Agentur vertraut und die anderen Bausteine eher als Beiwerk betrachtet. Das hat sich inzwischen geändert. Ich stecke meine Ressourcen mittlerweile lieber in die Kanäle, die ich direkt beeinflussen kann, d.h. ich baue vor allem meine beiden Webseiten aus. Zuvor habe ich sehr viele Gastartikel für andere Blogs geschrieben, und die haben mir in Summe in den letzten fünf Jahren vielleicht 300 Klicks gebracht. Diese Arbeit investiere ich jetzt lieber in meine Seiten Opens external link in new windowMartinKrengel.com und Opens external link in new windowStudienstrategie.de, wo ich mich und mein volles Themenspektrum präsentieren und mich besser als Mensch hinter den Themen zeigen kann.

Wie bekommt man die Leser auf die eigene Website?

Über SEO (Suchmaschinen-Optimierung) und viele „Informations-Köder“: Große Teile meiner Bücher sind komplett auf meinen Webseiten zu lesen. Damit entgehen mir vielleicht einige potenzielle Käufer, die mit dem Gratis-Angebot schon happy sind, aber ich vergrößere dadurch meine Reichweite enorm und mache viele hoch involvierte Menschen überhaupt erst auf mich aufmerksam. Wer alles schön formatiert aus einer Hand möchte, kauft sich das Buch.

Kommt man so auch ins stationäre Sortiment?

Mittlerweile liege ich mit meinen Selbstmanagement-Titeln „Golden Rules“ und „Bestnote“ in vielen Buchhandlungen – das ist aber das Ergebnis des Nachfragedrucks, der durch meine Presse- und Webpräsenzen sowie durch die Weiterempfehlung erzeugt wurde. Deshalb werde ich auch künftig schwerpunktmäßig Käufer direkt ansprechen, um darüber in den stationären Handel zu kommen. Auf lange Sicht ist die Überzeugungsarbeit vor Ort einfach zu aufwendig. Dennoch, wenn man ohnehin vor Ort ist, so wie ich bei meinen Seminarreisen, kann man direkt zur Fachabteilung gehen und sagen: „Hier ist ein passendes Buch für Sie.“ Das wurde sehr wohlwollend aufgenommen – und endete meist in einer kleinen Testbestellung.

 

Wie wichtig sind Social-Media-Kanäle?

Ich nutze vor allem Facebook, weil es mir persönlich am meisten Spaß macht und ich Feedback auf meine Tätigkeiten und Themen erhalte. Ich stellte zum Beispiel fest: Die Fans folgen vor allem mir, nicht nur meinen Expertenthemen. Wenn ich etwas poste, auf dem ich zu sehen bin, hat das mehr Interaktion zur Folge, als ein werblicher Post zu den Büchern. Es gilt also, Persönlichkeitsmarketing statt Buchmarketing zu machen. Das stärkt mir das Rückgrat und hilft mir, noch stärker auf mich, die Marke „Martin Krengel“, zu hören. Ich lernte durch die Interaktion: „Was mir Spaß macht, macht auch meinen Lesern Spaß.“

Die Fragen stellte Nicole Stöcker

07. Januar 2016


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