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Markt

Johannes Monse und Ralf Biesemeier über die Monsenstein-Fortführung

„Unser Unternehmen ist nicht stromlinienförmig“

Von Monsenstein & Vannerdat bleibt nur noch das Hochschulgeschäft, das Readbox übernimmt. Im Interview erklären Gründer Johannes Monse und der neue Eigentümer Ralf Biesemeier, warum kein Investor für eine Gesamtlösung gefunden werden konnte und wie der Geschäftszweig ins Readbox-Portfolio passt.


Sie haben drei Monate versucht, eine Zukunft für Monsenstein & Vannerdat zu sichern. Wie lautet Ihre Bilanz? 


Johannes Monse:
Das war eine harte Zeit. Wenn man nach fast 20 Jahren 30 Mitarbeitern keine gemeinsame Zukunft mehr bieten kann, dann ist das persönlich schon dramatisch. Nachdem klar war, dass wir keinen Investor für eine Gesamtlösung finden, haben wir nicht eine Sekunde aufgehört, alles abzuklopfen, um wenigstens Teilbereiche weiterführen oder retten zu können. Dass unser Hochschulgeschäft dabei eine zentrale Rolle einnimmt, das war von Anfang an klar.

Warum konnte keine größere Fortführungslösung erzielt werden?
Monse: Unser Unternehmen ist nicht stromlinienförmig, es hat keine Konzernstruktur. Das macht es potenziellen Käufern schwer, weil man nicht weiß, wie ein solches Gebilde gut zu integrieren ist. Wir sind sehr kleinteilig aufgestellt, hochspezialisiert und unser Fokus lag zuallererst auf Qualität. Das weckt beim Controller nicht unbedingt schiere Begeisterung. Wir waren ja keine 20 Kolleginnen und Kollegen, die Staubsauger verkauft haben und denen ein neuer Eigentümer sagen könnte: „Passt mal auf, ihr müsst jetzt mit 15 Leuten genau so viele Staubsauger verkaufen!“ – sondern stattdessen viele kleine, spezialisierte Teams, die den Autoren am Ende alles vom Lektorat bis hin zur Fadenheftung aus der eigenen Buchbinderei bieten konnten. Für moderne, standardisierte Abläufe eher ein Albtraum.


Am Ende wird nur das Akademie-Geschäft fortgeführt. Ist dieses die zukunftsträchtigste Säule von MV? 
Monse: Ich glaube, dass wir mit dem richtigen Partner auch im Premiumbereich für Privatautoren vieles hätten bewegen können. Nichtsdestotrotz ist das Hochschulkonzept schon sehr einzigartig. Unser Konzept hat von Anfang an funktioniert und uns in jedem Jahr zweistellige Wachstumsraten beschert – ohne, dass wir großen Aufwand in Marketing und Vertrieb betrieben hätten. Der Anteil am Gesamtumsatz war aber zu gering, als dass die Unis allein für uns das Ruder hätten rumreißen können. Aber das Potenzial ist unserer Meinung nach gewaltig – vor allem jetzt, wo wir den Raum haben, uns anständig darum zu kümmern.


Wie passt das Geschäft ins Readbox-Portfolio?
Ralf Biesemeier: Für Readbox bietet sich hier eine sehr interessante Gelegenheit, das bisherige Wirkungsfeld zu erweitern und ein Produkt ins Portfolio zu holen, das in dieser Form bisher einzigartig ist und exzellente Marktchancen hat. Zudem passt hier einiges gut zusammen: Wir kennen die handelnden Personen aus der langjährigen Zusammenarbeit und können mit unserer Expertise und Technologie das Produktangebot für die Hochschulen noch einmal wesentlich besser machen. Das war im Übrigen auch schon seit längerer Zeit geplant – MV hatten seit einiger Zeit den Plan, sich mehr auf den Bereich des „wissenschaftlichen Selfpublishings" zu fokussieren, aber die Struktur des bisherigen Geschäfts und die Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit haben dem Unternehmen dann den Boden unter den Füßen weggezogen. Von den Erfolgsaussichten des Hochschulgeschäfts waren wir aber nach wie vor überzeugt – und gleichzeitig können wir ein paar Arbeitsplätze retten. Bei allem unternehmerischen Risiko, das natürlich bleibt, kann man also schon von einer Win-Win-Situation reden.

Was sind die nächsten gemeinsamen Schritte?

Biesemeier: Readbox übernimmt ja ein bestehendes Geschäft mit guten Referenzen und Kundenbeziehungen. Hannes, Tom und das Team in Münster haben da in den vergangenen Jahren ein sehr attraktives Produkt entwickelt. Und was den Markt angeht, sind wir in vielerlei Hinsicht erst am Anfang der möglichen Entwicklung dieses wissenschaftlichen Geschäftsfeldes. Wenn wir die anstehenden Aufgaben zum Abschluss der Übernahme abgearbeitet haben, werden unsere Hochschulkunden sehr schnell bemerken, dass sie von unseren beratenden und technischen Möglichkeiten auf allen Ebenen profitieren. Die gute Qualität der Kundenbetreuung ist dabei sicher die wichtigste Konstante.

Monse: Ich freu mich total auf die kommende Zeit mit der Readbox. Der einzige Nachteil ist wohl der, dass ich bei den Readbox-Kundentagen jetzt nicht mehr die Gewinnspiele abräumen darf ...

 

Foto: Readbox/Willi Weber

 

03. November 2016


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