powerded by www.buchreport.de
Markt

Lutz Kreutzer über den Self-Publishing-Day und Markttrends

„Das Konkurrenzdenken wird sich mehr und mehr auflösen“

Am 10. Juni startet der Self-Publishing-Day in Hamburg. Im Vorfeld beschreibt der Veranstalter Lutz Kreutzer die Marktentwicklung und zeigt Perspektiven für die Veranstaltung und Selfpublishing insgesamt auf.


Was sind die größten Herausforderungen des Selfpublishing-Marktes?

Die drei größten Herausforderungen sind guter Inhalt, geschickte Präsentation und effizientes Marketing. Diese drei maßgebenden Erfolgsfaktoren am SP-Markt können daher als die Hauptsäulen des Selfpublishing gesehen werden. Dies sehen übrigens unsere Teilnehmer auch so, was durch eine Online-Umfrage bestätigt wurde. Daher nimmt sich der Self-Publishing-Day 2017 dieser Themen in Workshops und Vorträgen an. Online-Marketing-Mix, die Bücher mit Cover und Klappentext wie auch sich selbst als Autor in Lesungen präsentieren, und nicht zuletzt bessere Schreibergebnisse, also rein inhaltliche Aspekte, spielen eine wichtige Rolle. 

Lutz Kreutzer (rechts), Autor und Veranstalter des Self-Publishing-Day, neben Matthias Matting, Vorsitzender des Selfpublisher-Verbands, bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2016. Matthias Matting wird auf dem Self-Publishing-Day 2017 den Eröffnungsvortrag halten. 

Wie profilieren Sie den Self-Publishing-Day gegenüber den Buchmesse-Schwerpunkten?

Ich darf hier Matthias Matting zitieren, den Vorsitzenden des Selfpublisher-Verbands. Er sagte über die letzte Veranstaltung im April 2016 in München, das Schöne am Self-Publishing-Day sei, dass sich hier alles um die Autoren drehe, anders als auf Buchmessen, wo es ja hauptsächlich um Leser und Verlage gehe. Der Self-Publishing-Day sei also eine Weiterbildungsveranstaltung, wo die Autoren unter sich sind. Sie können sich an dem Tag in gelassener Atmosphäre austauschen und eine Menge lernen. Wir achten sehr darauf, dass unsere Speaker und Referenten alle erfolgreiche Selfpublisher sind, wie Elke Bergsma oder Béla Bolten, oder eben Marketing-Spezialisten, die speziell über die Möglichkeiten für Selfpublisher referieren, wie Björn Tantau oder Tina Lurz. Außer den Belletristikern bekommen dieses Jahr auch die Sachbuchautoren mehr Raum. 

 

Welche Ziele verfolgen Sie für die kommenden Jahre?

Bisher ist der Self-Publishing-Day jedes Jahr gewachsen. Mir ist wichtig, dass die familiäre Atmosphäre erhalten bleibt, was unsere Teilnehmer sehr zu schätzen wissen. Die Autoren sollen sich wiedererkennen und nicht in einer zunehmend anonymen Masse aufgehen. Ich möchte also weniger an der Anzahl der Teilnehmer schrauben, das Ganze soll ja auch seine Exklusivität behalten. Inhaltlich ist natürlich viel drin. So möchte ich zunehmend Seminare und Workshops über das Jahr verteilt zu Sonderthemen anbieten, das ist dieses Jahr ja auch schon angelaufen. 

 

Die Selfpublisher haben sich in den vergangenen Jahren stark professionalisiert. Wo sehen Sie noch Nachholbedarf?

Nachholbedarf würde ja bedeuten, dass die Selfpublisher vieles versäumt hätten. Das sehe ich gar nicht so. Das moderne Selfpublishing, also so wie es heute auf elektronischem Wege möglich ist, gibt es in Deutschland erst seit ein paar Jahren. In dieser kurzen Zeit haben sich die Ideen der Selfpublisher, deren Professionalität und die Qualität ihrer Werke derart rapide entwickelt, dass man nur staunen kann. Die Selfpublisher haben tatsächlich ihre eigene Branche erschaffen. Man erkennt das nicht zuletzt daran, dass es mehr und mehr Selfpublishing-Plattformen sowohl für E-Books wie auch für gedruckte Bücher gibt. Und viele haben sich spezialisiert und testen aus. Von Nachholbedarf im Sinne von Versäumnissen seitens der Selfpublishing-Autoren möchte ich daher gar nicht reden, ich sehe eher ein weiterhin unglaubliches Entwicklungspotential.

 

Der Trend geht hin zum hybriden Verlegen, Selfpublisher werden Verlagsautoren, Verlagsautoren publishen selbst – wann müssen Sie Ihrer Veranstaltung einen neuen Namen geben, weil die Welten zusammengewachsen sind?

Ja, die Hybrid-Autoren werden mehr, und das ist gut. Das Selfpublishing wurde bis vor kurzem von den meisten Verlagen entweder als direkte Konkurrenz betrachtet oder es wurde ganz einfach nicht ernst genommen, vor allem das Veröffentlichen in elektronischer Form. Der Argumente gab es viele, manche Einwände waren berechtigt, manche fußten auch zum Teil auf Vorurteilen. Heute beauftragen Selfpublisher Lektoren, Korrektoren und Coverdesigner, und die Dienstleister stellen Bücher her, die in der Qualität dem Vergleich mit Verlagsprodukten nicht zu scheuen brauchen. Aber es gibt ja auch Ressentiments auf der Seite der Selfpublisher. Das Konkurrenzdenken zwischen dem klassischen Verlagsdenken und dem Selfpublishing wird sich aber mehr und mehr auflösen, da bin ich sicher. Heute produzieren viele Verlage neben den klassischen Büchern bereits selbst E-Books. Ganz einfach deshalb, weil Betreiber und Verlage die E-Books als Geschäft entdeckt haben. Ich selbst bin Hybrid-Autor, auf mich sind klassische Verlage aufmerksam geworden, nachdem meine E-Books gut liefen. In wenigen Jahren wird man kaum mehr unterscheiden zwischen Verlags-Autor einerseits und Selfpublisher andererseits, dann werden die meisten Autoren beides machen. Aber eines sehe ich sicher: Das Selfpublishing wird sich entwickeln und weiter wachsen. Und um Ihre letzte Frage zu beantworten, ob der Self-Publishing-Day irgendwann einen neuen Namen braucht, das würde uns ja dann beide betreffen (lacht), ich werde mich dann mit Ihnen absprechen, wenn Sie sich genötigt sehen, Ihr Indie-Publishing-Portal umbenennen zu müssen.

23. Januar 2017


blog comments powered by Disqus