powerded by www.buchreport.de
Markt

Daten des Berlin Story Verlags gelöscht

Wegen „Free Deniz“-Unterstützung: Haben Erdogan-Anhänger Berliner Verlag gehackt?

Ein Plot wie aus einem Roman: Ein kleiner Berliner Verlag unterstützt die Aktion „Free Deniz“ zugunsten des in türkischer Haft sitzenden Journalisten Deniz Yücel. Und wird kurz darauf gehackt – alle Bücher und Verträge gelöscht. Der Verlag vermutet, dass der Cyberangriff von türkischer Seite aus begangen wurde.


Nach Angaben von Enno Lenze, Verleger des Berlin Story Verlags, wurden bei der Attacke sämtliche Daten des Verlags gelöscht, darunter etwa 200 fertig gesetzte Bücher, Verträge und die entsprechende Kommunikation. Außerdem sei die „gigantische Datenmenge“ der Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ zerstört worden – Basis einer Ausstellung, die im Mai 2017 eröffnet werden soll.

Die meisten Daten seien inzwischen rekonstruiert und die angegriffenen Websites stabilisiert worden.

Hinter der Attacke, so die Vermutung Lenzes, stecken türkische Quellen. Bei der Suche nach entsprechenden Dateien habe er Skripte in türkischer Sprache entdeckt. Außerdem sei zeitweite auch der private Twitter-Account @EnnoLenze gehackt worden. Die Angreifer hätten das Titelbild durch eine türkische Flagge ersetzt und Tweets vom offiziellen Account von Reccep Erdogan geteilt.

Stein des Hack-Anstoßes sei das Engagement des Verlags gegen Diktaturen und Populisten, insbesondere die Unterstützung der Bürgerrechtsgruppe Pixelhelper, die mit Projektionen auf das türkische Botschaftsgebäude auf den Fall Deniz Yücel aufmerksam gemacht habe. 

Wie Lenze weiter schreibt, wurden alle Daten des Verlags vor der Attacke weit über das Normalmaß hinaus geschützt – die  Passworte seien von Passwortmanagern generiert worden und keine einfachen Namen-Zahlen-Kombinationen. 

In seiner Bilanz zur Attacke rekapituliert Lenze, der bereits als Reporter einige Schauplätze kriegerischer Handlungen besucht hat: „Wenn der IS auf mich schießt, kann ich inzwischen damit umgehen. Wenn es Morddrohungen gibt, kümmert sich die deutsche Polizei sofort darum – wiederholt und zuverlässig. Wenn aber unsere Internetseiten gekapert oder gelöscht sind, wenn mein Twitter-Account gehackt wird, weiß ich nicht, was ich tun soll, an wen ich mich wenden kann.“

18. April 2017


blog comments powered by Disqus