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Markt

Interview zur Neobooks-Ullstein-Zusammenarbeit

„E-Only-Verlage harmonieren mit den Arbeitsstrukturen der Selfpublishing-Autoren“

Mit Ullstein schließt Neobooks erstmals außerhalb des Mutterkonzerns eine Scouting-Partnerschaft. Im Interview beschreiben Ullstein-Chef Alexander Lorbeer und Florian Geuppert, bei Holtzbrinck verantwortlich für das Thema Selfpublishing, welche Ziele sie verfolgen, worauf es beim Scouting ankommt und warum nur die Kooperation mit ausgewählten Verlagen für Autoren einen Mehrwert bietet.


Holtzbrinck hat Neobooks und Epubli, Lübbe hat Bookrix, Random House hat TwentySix – Bonnier hat sich beim Thema Selfpublishing hierzulande bislang zurückgehalten. Aus welchen Gründen?

Alexander Lorbeer: Wir sehen unsere Kernkompetenzen als Buchverlag in erster Linie in dem Kuratieren von Verlagsprogrammen und der inhaltlichen Arbeit gemeinsam mit unseren Autorinnen und Autoren. Aus diesem Grund haben wir uns bei Ullstein bewusst gegen den Aufbau eines eigenen Selfpublishing-Angebots und für den Aufbau unserer digitalen Verlagsprogramme Forever und Midnight entschieden. 

Alexander Lorbeer (Foto: buchreport)

Bei denen Sie jetzt mit Holtzbrincks Neobooks kooperieren. Welches Ziel verfolgen Sie gemeinsam?

Florian Geuppert: Neobooks ist der einfachste Weg für Selfpublisher, ihreFlorian Geuppert Bücher renommierten Verlagshäusern zu präsentieren und von ihnen entdeckt zu werden. Mit der Erweiterung unserer Kooperationspartner um Ullstein erhöhen wir die Sichtbarkeit unserer Autoren bei renommierten Verlagshäusern erheblich. Aus Neobooks-Sicht ist das Ziel ganz klar: noch mehr Indie-Autoren für Neobooks zu begeistern, deren Werke wir dann dem Lektorat von Midnight und Forever empfehlen können. 

Lorbeer: Für unsere digitalen Imprints Forever und Midnight sind wir ständig auf der Suche nach Autoren und Stoffen, die uns begeistern. Die Kooperation mit Neobooks bietet uns dabei eine weitere vielversprechende Möglichkeit, genau diese Autoren und Bücher zu entdecken. 

Bei anderen Kooperationen von Selfpublishing-Dienstleistern mit Verlagen wie Lübbe fällt auf, dass die Durchlässigkeit offenbar gering ist – nur wenige Selfpublisher schaffen tatsächlich den Sprung ins Verlagsprogramm. Woran liegt’s?

Geuppert: Das kann man pauschal so nicht beantworten. In den letzten 12 Monaten sind mehr als 50 neue Neobooks-Titel von uns in Partner-Verlagsprogrammen erschienen. Natürlich muss es auch immer für beide Seiten passen - Autor und Verlag. Dass Programmplätze limitiert sind, ist ja keine Besonderheit des Selfpublishing.

Lorbeer: Sowohl in unseren klassischen Verlagsimprints als auch bei den digitalen Imprints haben wir ein stark kuratiertes, begrenztes Sortiment. Somit sind naturgemäß unsere Optionen begrenzt. Dennoch ist es für uns eine große Freude, immer wieder Selfpublishern auch eine verlegerische Heimat bei Ullstein zu bieten. Als stellvertretendes Beispiel sei Emily Bold genannt, deren drittes Taschenbuch im Oktober bei Ullstein erscheint. Die digitalen Verlagsprogramme sind gespickt mit erfolgreichen Hybrid-Autorinnen, für die wir eine attraktive Ergänzung zur eigenen Arbeit bieten. 

Mussten Sie bei Ihren Lektoren Überzeugungsarbeit leisten?

Lorbeer: Nein, im Gegenteil. Das Team von Midnight und Forever ist immer offen für neue Ideen. Die Kolleginnen waren von Beginn an von dieser Zusammenarbeit überzeugt.

Auf Basis Ihrer Erfahrungen insbesondere mit Droemer Knaur: Worauf kommt es beim Scouting besonders an?

Geuppert: Wichtig ist eine gute Programmkenntnis aufseiten der Selfpublishing-Plattform, um passgenau zu empfehlen. Neobooks hat hier jahrelange Erfahrung und ist absolut marktführend. Zunehmend wichtig werden auch Rezensionen und die Social-Media-Präsenz bei der Titelakquise. Auf Autorenseite ist die Voraussetzung sicherlich ein gutes Exposé und die Bereitschaft, sich auf die Zusammenarbeit mit dem Verlag einzulassen und von der Verlagsexpertise zu profitieren. 

Midnight und Forever sind E-Only-Verlage. Passen diese besser zu einem Selfpublishing-Netzwerk als klassische Printverlage? 

Geuppert: Es gibt sehr viele Erfolgsgeschichten im Print mit entsprechender Auflage und Vertriebsunterstützung der Verlage. Neobooks hat über 20 Titeln erfolgreich in das Taschenbuchprogramm bei einem unserer Partnerverlage verholfen. Zuletzt wurde z.B. der Titel „Nacht der Diebe“ von Hannah Kuhlmann, die 2016 in Leipzig mit dem Indie-Autor-Preis ausgezeichnet wurde, ins Taschenbuchprogramm für das kommende Jahr bei Droemer Knaur aufgenommen. Aber sicherlich bieten die E-Only-Programme durch die kurzen Produktionszyklen klare Vorteile, auch einmal mit Titeln zu experimentieren. Und über Print on Demand werden viele der E-Only Titel auch als zunehmend als gedruckte Ausgabe erhältlich. 

Lorbeer: Eine pauschale Antwort fällt mir hier schwer. Einerseits harmonieren die flexibleren und kürzeren Prozesse bei E-Only-Verlagen wie Forever und Midnight sicher gut mit den Arbeitsstrukturen und dem Selbstverständnis der Selfpublishing-Autoren. Andererseits gibt es, wie oben auch genannt, ausreichend positive Beispiele für die Zusammenarbeit von Selfpublisher-Netzwerken und klassischen Printverlagen. 

Tredition hat kürzlich seine White-Label-Shops bei Bookwire angedockt – wodurch rund 1000 Verlage selbst Selfpublishing-Luft schnuppern könnten. Wie sehen Sie demgegenüber die Zielrichtung Ihrer Verlagskooperationen? 

Geuppert: Die Kooperation von Bookwire und Tredition stärkt das Serviceportfolio beider Anbieter in Richtung Verlage und folgt deren Positionierung als Verlagsdienstleister für kleine und mittlere Verlage. Das ist nachvollziehbar. Aber für die Autoren bringt es keinen Mehrwert. Aus Autorensicht müsste man bei wirklich extrem vielen kleinen und mittelgroßen Verlagen sein Buch hochladen, um annähernd eine vergleichbare Bühne zu erhalten wie bei Neobooks. Wenn Indie-Autoren eine Scouting-Plattform wählen für ihr Buchprojekt, haben wir einfach das beste Angebot im Markt und können 240 Erfolge vorweisen, d.h. Buchprojekte, die über Neobooks in renommierten Verlagsprogrammen erschienen sind. Es zählt auch nicht die Masse an Verlagen, sondern deren Relevanz und Größe – mit der Erweiterung unserer Kooperation in Richtung Ullstein bauen wir unser Netzwerk in diese Richtung sehr gezielt aus. Wir werden dies weiter vorantreiben.  

25. April 2017


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