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Markt

Mehr Buchhändler auf den Geschmack bringen

Selfpublishing-Titel konnten sich im stationären Sortiment weiter etablieren. Die Dienstleister haben Konditionen und Informationen noch stärker angepasst.  Vor allem in Autorenveranstaltungen sehen die Anbieter ein großes Potenzial. 


Die Frage, wie zwischen Selfpublishing und stationärem Buchhandel eine tragfähige Brücke gebaut werden kann, wird bei den Dienstleistern dieses Marktsegments weiterhin intensiv diskutiert. Zwar gibt es bereits spürbare Fortschritte hinsichtlich der Wahrnehmung von Selfpublishing-Printtiteln im stationären Buchhandel, aber auf diesem klassischen Vertriebsweg ist noch „viel Luft nach oben“. Denn: „Viele Buchhändler haben den Qualitätssprung nicht bemerkt“, stellt etwa Iris Kirberg, Leiterin Marketing und Vertrieb bei Books on Demand (BoD), fest. Unternehmenssprecher Thorsten Simon ergänzt: „Es gibt sowohl aufseiten der Händler als auch aufseiten der Selfpublishing-Autoren noch immer einen großen Aufklärungsbedarf über Bedürfnisse, Qualitätsansprüche und Marktgepflogenheiten.“


Es ist ein erklärtes Ziel der Dienstleister, dass Erfolge des Selfpublishings aus dem E-Book-Segment und Online-Handel stärker in den stationären Markt hineinwirken. Positive Signale gibt es dafür: Wie eine Umfrage unter 361 Buchhändlern im Herbst 2017 zeigt, konnten sich Autoren mit selbstverlegten Titeln im vergangenen Jahr weiter etablieren. BoD hatte in Kooperation mit buchreport und dessen Informationsdienst Indie Publishing zum zweiten Mal erhoben, wie der stationäre Handel in Deutschland zum Thema Selfpublishing steht. Ein Blick auf die Ergebnisse:

  • 52% der teilnehmenden Buchhändler gaben 2017 an, Selfpublishing-Titel in ihrem Sortiment zu führen. Bei der Umfrage 2016 waren es 49%.
  • 8% teilten mit, in der Vergangenheit bereits selbstverlegte Titel geführt zu haben, aktuell aber keine anbieten. 
  • Jeder fünfte Buchhändler informiert sich aktiv über Selfpublishing-Titel für sein Sortiment: 78% werden über persönliche Empfehlungen, 44% über Blogs und Social Media sowie 38% über Bestsellerlisten darauf aufmerksam. 
  • Mehr als die Hälfte der Buchhändler sprechen Titeln mit regionalem Bezug ein Potenzial für das eigene Sortiment zu. 

Im Ranking nachfolgend werden Bücher aus den Kategorien Genreliteratur (Krimi/Thriller, Fantasy, Science-Fiction, Liebesromane), Ratgeber und Erfahrungsberichte, sonstige Belletristik sowie Sach- und Fachbücher genannt.

Mit Blick auf die Buchhandelskunden hat die Umfrage ergeben, dass bei jedem dritten Sortimenter ein- oder mehrmals pro Woche nach Selfpublishing-Titeln gefragt wird. In der Umfrage von 2016 hatten nur ein Viertel der Buchhändler angegeben, dass sich Kunden nach selbstverlegten Büchern erkundigen. Gar keine Anfragen zu Selfpublishing zu erhalten, gaben gaben zuletzt 4% der Buchhändler an.  


(c) Ulrike Peters
Werben für Selfpublisher-Titel: Iris Kirberg, Marketingleiterin bei Books on Demand, und Unternehmenssprecher Thorsten Simon

Im Barsortiment liegt das Sachbuch vorn
Die zunehmende Nachfrage, die aus der Umfrage deutlich wird, deckt sich mit der Beobachtung von Dieter Keilbach, der beim Barsortimenter Umbreit im Einkauf auch für den Bereich Selfpublishing zuständig ist: „Es gibt sowohl bei der Titelanzahl von Anbietern wie BoD oder Epubli als auch bei der Anzahl der eigenständigen Selfpublisher ein kontinuierliches hohes Wachstum.“ 

Umbreit erhalte mehrmals pro Woche Anfragen zur Aufnahme neuer Titel. Entschieden werde nach Kriterien wie:

  • Thema des Buches
  • Thematische Kompetenz des Autors 
  • Marketing
  • Branchen- und kaufmännisches Verständnis des Selfpublishers. 


Im Nachfrageranking bei Umbreit liegen Keilbach zufolge die Sachbücher und Ratgeber auf Platz 1, wobei das Thema Gesundheit am stärksten nachgefragt werde, gefolgt von Biografien und Kochbüchern. Platz 2 belege die Belletristik, bei der das Genre „Romantic Thriller“ vor Krimis und Erotik rangiere. Das Kinder- und Jugendbuch liege „weit abgeschlagen, fast unterhalb der Wahrnehmungsgrenze“. 
Die Lieferbarkeit über ein Barsortiment ist für viele Buchhändler laut Umfrage eine entscheidende Voraussetzung für den Vertrieb von Selfpublishing-Titeln. Mehr als die Hälfte (53%) der Befragten bestellt auf Kundenwunsch unter dieser Bedingung, 35% genügt eine Listung im Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB). Jeder zehnte Buchhändler bestellt Titel für Leser sogar in dem Fall, dass sie nur über Amazon erhältlich sind. Für Umbreit bewertet Keilbach die Zusammenarbeit mit Selfpublishern differenziert: Mit professionellen Dienstleistern laufe sie „sehr erfolgreich und völlig problemlos“. Auf der Seite der eigenständigen Selfpublisher stelle er dagegen oftmals eine lückenhafte Kenntnis der buchhändlerischen Gepflogenheiten, der Handelsabläufe und der Besonderheiten (Sigelung im VLB, Remissionsgenehmigung) fest. Er empfiehlt Selfpublishern, zu diesen Fragen auf die Fachberater der Branche zurückzugreifen.

Kontakt zum Kunden pflegen 
Im Kontakt zu ihrer Zielgruppe sind viele Selfpublisher dagegen sehr professionell aufgestellt, was sie für den Buchhandel wiederum attraktiver macht. Über Social Media pflegen viele Autorinnen und Autoren den Kontakt zu ihren Lesern, teilweise sind sie mit einer Community vernetzt. Davon kann auch der Buchhandel profitieren, etwa indem er Zugang zu diesen Kundengruppen erhält. Bei Thalia wird die Bedeutung des Selfpublishings deshalb hoch eingeschätzt. Selfpublishing-Titel seien ein fester Bestandteil des Sortiments, heißt es. Um auch den direkten Kontakt stärker zu fördern, hat die Thalia-Buchhandlung Campe in Nürnberg im November 2017 erstmals zu einer ganztägigen Veranstaltung rund ums Selfpublishing eingeladen. In Kooperation mit BoD gab es neben Lesungen mehrere Vorträge zu den Themen Schreiben, Gestaltung und Vermarktung. Die Resonanz auf die Veranstaltung sei sehr positiv gewesen, erzählt Thalia-Filialleiterin Sabine Janßen. 
Ein Interesse an Veranstaltungen ermittelte auch die BoD/buchreport-Umfrage: Rund 24% der befragten Buchhändler geben an, Autorenlesungen veranstaltet zu haben, 10% teilten mit, dies zu planen.  Florian Geuppert, Geschäftsführer von Holtzbrincks Selfpublishing-Tochter Neopubli, bedauert, dass sich insgesamt eher der kleine, regionale Buchhandel für das Selfpublishing öffnet: „Bei den großen Handelsketten ist eine Präsenz weiterhin schwierig.“ Durch einen direkten Austausch vor Ort und insbesondere Lesungen könne sich die Zusammenarbeit aber weiter verbessern. Vor allem bei Themenschwerpunkten wie etwa Regionalkrimis funktioniere dies sehr gut.   


(c) Daniel Fortmann

Potenzial von Events: Weil die Nachfrage nach Lesungen von Tredition-Autoren deutschlandweit zugenommen hat, kommt Geschäftsführer Sönke Schulz den Buchhändlern mit poassenden Konditionen entgegen.

Konditionen entsprechend zugeschnitten
Sönke Schulz, Geschäftsführer des Selfpublishing-Dienstleisters Tredition, hat für sein Unternehmen eine gestiegene Nachfrage nach Autorenlesungen ermittelt: Im deutschsprachigen Raum gebe es inzwischen täglich zwei Lesungen von Tredition-Autoren. „In Vor-Ort-Aktivitäten sehen wir ein großes Potenzial“, fasst er zusammen. Um den Bedürfnissen des Handels entgegenzukommen, hat Tredition die Konditionen entsprechend zugeschnitten: „Von den im Rahmen von Lesungen bestellten Exemplaren können Buchhändler bis zu 20 Exemplare remittieren“, erklärt Schulz.
Der Effekt: „Seitdem hat sich die Zahl unserer Lesungen bei Buchhandlungen verdreifacht.“ Die Remissionsquote liege tatsächlich nur bei 4%: „Der Buchhändler wird die Ware los.“ Des Weiteren bietet Tredition außerhalb von Lesungen kostenfreie Ansichtsexemplare für Händler und Leser an: Wenn der Kunde einen bestellten Titel nicht nehme, könne der Händler ihn kostenfrei bei vollem Remissionsbetrag zurücksenden, erklärt Schulz.  Weiterhin haben sich die Unternehmen noch besser auf das Informationsbedürfnis der Händler eingestellt: Um für mehr Transparenz in Bezug auf die „Perlen“ unter den Selfpublishing-Titeln zu sorgen, werden Newsletter und teilweise auch Bestsellerlisten eingerichtet.

Ulrike Peters

23. Januar 2018


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