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Markt

Leseverhalten und Leser - Ulrich Hopp, Verleger des Be.bra Verlags (6)

Beim Sachbuch müssen inhabergeführte Verlage ganz genau kalkulieren. Die Programmplanung ist u.a. durch VG-Wort-Rückzahlungen gefährdet. Hinzu kommen weitere Herausforderungen, zeigt eine buchreport-Umfrage. Heute:Ulrich Hopp, Verleger des Be.bra Verlags.

Wie stellt sich der Sachbuchmarkt aktuell dar?
Die Lage für kleine, unabhängige Verlage hat sich in den vergangenen zwei Jahren zunehmend verschlechtert. Dafür gibt es mehrere Gründe:  Die VG-Wort-Rückzahlungen haben fast allen Indies die Liquidität sehr eingeschränkt, wenn nicht geraubt.  Der Buchhandel verliert viele Kunden. Selbst die Netzaktivitäten der großen Handelshäuser können das nicht wettmachen.  Weniger Kunden bedeutet weniger Umsatz. Das führt zu einem geringeren Einkaufsetat, der hauptsächlich die kleinen Verlage trifft.  Die geringere Präsenz im Sortiment führt nicht nur zu weniger Umsatz der kleinen Verlage dort, sondern auch zu geringeren Barsortimentsumsätzen.  Die Zunahme von Bestellungen im Internet können das nicht aufwiegen.  Die Anabelisierung verhindert meist den Vertreterbesuch, den wir Kleinen dringend benötigen (Anm. d. Red.: Anabel ist ein Zentrallagermodell der Verbundgruppe eBuch).  Um wie die großen Player einen Direktkundenmarkt aufzubauen, fehlen uns die Mittel und Mitarbeiter. Wir wollen unsere Partner im Buchhandel davon überzeugen, dass die Zusammenarbeit mit unabhängigen Verlagen nicht verloren gehen darf und durchaus auch zu starken Umsätzen führen kann. Dazu verstärken wir den direkten Kontakt vom Verlag zum Buchhändler. 

Wie können Sie die Titel unter erschwerten Marktbedingungen finanzieren?
Um weiterhin attraktive Programme finanzieren zu können, gehen wir stärker als bisher Kooperationen mit Institutionen ein. Auch suchen wir verstärkt nach Möglichkeiten, im Vorhinein die Abnahme größerer Stückzahlen zu sichern. Dies natürlich unter dem Aspekt, dass unsere Programme unseren hohen Qualitätsanforderungen weiterhin genügen. 

Müssen Sie das Angebot zurückfahren? Müssen Autoren ihre Bücher (mit)finanzieren oder sinken die Honorare?
Trotz der VG-Wort-Misere konnten wir davon absehen, unseren Autoren eine Mitfinanzierung abzuverlangen. Es gab schon immer den einen oder anderen Titel, der sich per se nicht rechnete und daher eine Fremdfinanzierung verlangte – das allerdings unabhängig von den Herausforderungen der letzten Jahre. Es ist sicherlich so, dass einige Titel, die uns weniger absatzträchtig scheinen, nun nicht mehr ins Programm genommen werden können. Das hat sich am offensichtlichsten verändert. 

Auf welches Thema setzen Sie im Frühjahr?
Trotz allem setzen wir auch weiterhin hauptsächlich auf historische und gesellschaftsrelevante Themen. Dabei auch dann gern mal mit regionaler Anbindung. 

08. April 2018


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