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Markt

Christian Jünger und Gerd Robertz über „Twentysix“

„Das ,Self' muss vielleicht eingeklammert werden“

Kurz vor der Frankfurter Buchmesse haben Books on Demand und die Verlagsgruppe Random House eine Allianz zum Aufbau eines neuen SP-Angebots bekanntgegeben (Opens internal link in current windowhier mehr). Im Interview schildern BoD-Chef Gerd Robertz (li) und Random House-Projektleiter Christian Jünger (re) Hintergründe und Ziele.

 

Random House betritt den Selfpublishing-Markt vergleichsweise spät. Was sind die Ursachen?

Christian Jünger: Wir beschäftigen uns schon seit längerer Zeit mit dem Thema Selfpublishing und wollten den Markt zunächst sehr genau analysieren. Deshalb sind wir tatsächlich nicht die ersten auf dem Markt, aber aus unserer Sicht ist der Zeitpunkt sekundär. Uns kommt es darauf an, mit einem Angebot auf den Markt zu gehen, das sich von anderen unterscheidet.

Christian Jünger (Foto: Random House)

Worin unterscheidet sich Twentysix von Selfpublishing-Aktivitäten anderer Verlage?

Jünger: Allein die Konstellation macht den Unterschied: Der größte Selfpublishing-Dienstleister Europas kooperiert mit der größten Publikumsverlagsgruppe Deutschlands. Gemeinsam bieten wir Selfpublishing-Autoren ein attraktives Leistungspaket, wie Veröffentlichung als E-Book „und“ gedrucktes Buch aus einer Hand, sowie die Möglichkeit, sukzessive optionale Zusatzservices zu buchen . Darüber hinaus können ausgewählte Autoren für exklusive Verlagsservices nominiert und von unseren Verlagen entdeckt werden.

Gerd Robertz: Gemeinsam garantieren wir zum einen exzellente Prozesse bei der Herstellung der Bücher. Zum anderen bieten wir den Autoren ein sehr bereicherndes Umfeld für die eigene Weiterentwicklung an, beispielsweise was den Kontakt mit anderen Autoren angeht. Es reicht eben nicht mehr, Autoren die reine Möglichkeit der Veröffentlichung eines Manuskripts zu bieten.

Gerd Robertz (Foto: BoD)

Random House tritt bei der Außendarstellung des Selfpublishing-Angebots sehr zurückhaltend auf. Fürchten Sie Interferenzen mit den herkömmlichen Verlagsaktivitäten?

Jünger: Nein, uns geht es darum, eine neue, eigenständige Marke in den Fokus zu rücken, deshalb treten die Marken der Projektpartner etwas zurück. 

Bei den Preisen kommen Sie sich dennoch ins Gehege: Die Schere zwischen Selfpublishing- und Verlags-E-Books ist groß.

Jünger: Die Gefahr sehe ich nicht so sehr. Auch bei den Selfpublishern bewegen sich die Preise nach oben.  

Robertz: Und wir gehen davon aus, dass sich dieser Aufwärts-Trend fortsetzen wird. Die Qualität der Selfpublishing-Titel steigt kontinuierlich, und die spiegelt sich auch darin, dass höhere Preise aufgerufen und durchgesetzt werden können.

Wohin entwickelt sich der Markt?

Robertz: Wir sehen weiterhin eine große Dynamik auf einem Markt, dessen Grenzen zunehmend verschwimmen und der Autoren immer neue spannende Möglichkeiten der Buchveröffentlichung bietet. Selfpublishing-Titel werden zunehmend professioneller erstellt und für Verlagsprogramme entdeckt. Zugleich nutzen immer mehr Verlagsautoren die Freiheiten des Selfpublishings für sich. Wir können daher gar nicht mehr von dem einen Selfpublishing-Markt sprechen. Das „Self“ muss vielleicht sogar eingeklammert werden. Schließlich definieren sich Autoren nicht über den Weg, mit dem ihr Buch veröffentlicht wird, sondern durch ihren Wunsch, mit Geschichten und Inhalten Leser zu begeistern.    

Jünger: Wir sehen zwar auch eine zunehmende Professionalisierung bei den Selfpublishern. Nichtsdestotrotz sind Selfpublishing-Plattformen wie unsere und Verlage  zwei unterschiedliche Welten. Verlags-Autoren erhalten eine umfassende Betreuung und eine Vielzahl an individuellen Verlags services.

Von denen Sie bei Twentysix weitere in Aussicht gestellt haben. Planen Sie perspektivisch ein deutsches Author Solutions?

Jünger: Nein, wir gehen einen anderen Weg und haben uns für den deutschsprachigen Markt bewusst für eine Kooperation mit Books on Demand entschieden.

14. Oktober 2015


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