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Markt

Serie mit Prognosen zur Marktentwicklung: Gunnar Siewert

Wohin entwickelt sich der Selfpublishing-Markt, Gunnar Siewert?

Kaum ein Segment der Branche ist zuletzt so rasant gewachsen wie Selfpublishing. Das hohe Tempo macht Prognosen zur Entwicklung des Teilmarktes schwierig. Dennoch wagen Experten einen Ausblick bis ins Jahr 2020. 1. Teil der Serie: Gunnar Siewert, Marketing und Business Development Bookrix (Bastei Lübbe).

 

Meine These aus 2011, dass Selfpublishing und traditionelles Publishing verschmelzen und eins werden, wird sich als falsch herausgestellt haben. In 2020 werden beide weiterhin parallel existieren und sich zunehmend auf ihre jeweiligen Stärken konzentrieren. Im Selfpublishing sind das ganz klar E-Books und speziell deren erfolgreiche Vermarktung. Verlage dagegen werden im Print-Bereich erfolgreicher bleiben, da sich Indie-Autoren und Selfpublishing-Anbieter weiterhin schwertun werden, physische Vertriebsstrukturen aufzubauen.

Subskriptions-Modelle werden 40% der E-Book-Einnahmen generieren: Bei einzelnen Top-Titeln, die im Kindle-Unlimited-Programm sind, ist das jetzt schon der Fall. 2020 wird das auf den Umsatz des gesamten Marktes zutreffen. Dadurch wird der Markt noch mehr unter Druck geraten, was die Preisgestaltung bei E-Books und die Vergütung der Autoren angeht.

Sichtbarkeitsmanagement wird bei der Vermarktung von E-Books der bestimmende Faktor sein, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet: Klassisches Marketing ist dann nur mehr ergänzendes Beiwerk. Dagegen werden Maßnahmen, die in ihrem Zusammenwirken für bessere Auffindbarkeit von Titeln in Suchmaschinen, Online-Shops und Empfehlungskanälen sorgen, das A und O sein.

Der Selfpublishing-/E-Book-Markt wird keine neuen Leser generiert haben: Leute, die bisher keine Bücher gelesen haben, werden auch durch das E-Book nicht zum Lesen gebracht. Wer keine Musik hört, wird auch durch ein neues Trägermedium nicht zum Musikfan. Der Selfpublishing-/E-Book-Markt muss seine Anteile dem Print-Markt abringen. Das funktioniert nur über die Verschiebung von Print- zu Digital-Lesern. Der Markt wird leider nicht größer werden; er verteilt sich nur anders.

Das Qualitätsniveau und die Professionalisierung im Selfpublishing werden weiter zunehmen: Der Anteil an qualitativ hochwertigen Veröffentlichungen im Selfpubli-shing steigt. Wir beobachten schon länger, dass immer weniger Content mit geringer Qualität veröffentlicht wird. Zu der Zeit, als Selfpublishing der große neue Trend war, hat wirklich fast jeder, der in den letzten 20 Jahren ein Buch geschrieben hat, es ausprobiert. In der Anfangszeit gab es eine wahre Flut von absolut unvermarktbarem Content. Das hat in den letzten ein bis zwei Jahren ganz deutlich nachgelassen, da die Leute merken, dass es nichts bringt, wenn man nicht ein gewisses Professionalitätslevel erreicht. Was bleibt, sind die Profis.

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05. Januar 2016


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