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Markt

Sönke Schulz (Tredition) über Fake-News im Selfpublishing

„Bei uns wird jedes Buch manuell geprüft“

Hat die Selfpublishing-Branche ein Problem mit Fake-News, wie vom Handelsblatt behauptet? Sönke Schulz sieht keinen Nachholbedarf für sein Dienstleistungsunternehmen Tredition.



Haben Selfpublishing-Dienstleister ein Fake News—Problem, wie vom „Handelsblatt“ attestiert?

Sönke Schulz: In diesem Monat wird Tredition zehn Jahre alt. Als wir gestartet sind, gab es den Begriff Selfpublishing noch nicht und „Fake News“ kannte bis vor ein paar Monaten auch niemand. Das „Handelsblatt“ stellt „Fake News“ als vermeintlich neues Risiko für Selfpublishing-Anbieter dar. Das ist es aber nicht. Seit zehn Jahren haben wir bei Tredition und alle anderen Anbieter am Markt die Herausforderung, Buchinhalte vor der Veröffentlichung auf Legalität zu prüfen. Bei dieser Prüfung gilt es aber zwischen freien Meinungsäußerungen und tatsächlichen gegen geltendes Recht verstoßenden Inhalten zu differenzieren. Wenn ein Autor meint, eine „Abrechnung mit Angela Merkels Flüchtlingspolitik“ veröffentlichen zu müssen, so soll er das tun, sofern der Text sich klar im Gesetzesrahmen bewegt. Die Anforderung das zu prüfen, liegt bei den Selfpublishing-Anbietern und war auch schon unsere Aufgabe vor zehn Jahren, als es noch „Eigenverlag“ o.ä. hieß. Es hat sich also mit dem Begriff „Fake News“ in unserer Branche nichts geändert. 

Was tun Sie konkret, um die Publikation anstößiger oder illegaler Inhalte zu verhindern?

Bei uns im Haus wird jedes eingereichte Buch durch erfahrene Verlagsmitarbeiter geprüft. Diese Prüfung erfolgt nicht durch automatisierte Software, sondern manuell – auch wenn dieser Prozess intensive Kosten verursacht. Bei dieser Buchprüfung wird das Werk auch auf strafbare Inhalte geprüft. Im Zweifelsfall beauftragen wir ein Gutachten.

Die Vorgaben, welche Inhalte wir nicht veröffentlichen, finden Autoren auf unserer Webseite und im Autorenvertrag. Bei Verstoß gehen wir keine Diskussion mit Autoren ein, sondern lehnen Titel konsequent ab. Dass illegale Inhalte keine Chance bei uns haben, zeigt der Fall eines ehemaligen Führungsmitgliedes der NPD. Nach Ablehnung seines Buches versuchte dieser, die Veröffentlichung bei Tredition gerichtlich einzuklagen – hatte hier aber vor Gericht keine Handhabe.

Wir prüfen und lehnen auch Bücher ab, die wir als White-Label-Dienstleister für andere Selfpublishing-Portale veröffentlichen, wo Tredition nicht für die Inhalte verantwortlich ist. Auch hier sehen wir es als unsere Aufgabe an, die Gesetze einzuhalten. Unsere White-Label-Kunden danken es uns.

Reichen diese Mechanismen aus – auch angesichts der stetig wachsenden Novitätenzahl?

Die Zahl der veröffentlichten Werke ist bei Tredition in 2016 um über 50% gewachsen. Dementsprechend haben wir auch unser Team um drei Mitarbeiter in 2016 vergrößert. Nur so können wir sicherstellen, unsere eigenen Mechanismen funktionsfähig zu halten.

Ein ganz entscheidender Unterschied besteht allerdings zwischen Posts auf Facebook oder Twitter im Vergleich zur Selfpublishing-Branche. Damit ein illegaler Inhalt viral wird und eine große Zahl von Lesern erreicht und so ggf. großen Schaden anrichtet, müssen sehr viele Leser ein Buch kaufen. Der Preis für ein Buch ist hierbei eine zusätzliche Hürde. Erfahrungsgemäß werden die Selfpublishing-Dienstleister sehr frühzeitig von den ersten Käufern eines Buches informiert, dass ein Buch gegen geltendes Recht verstößt. Dann kann dieses Buch sehr schnell vom Markt genommen werden. Das ist bei kostenfreien Posts, die schnell weitergeleitet werden, nicht möglich.

08. Februar 2017


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