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Markt

Dennis Schmolk (Bookrix) über die Fake-News-Debatte

„Bücher eher akzeptieren als ablehnen“

Sorgen Selfpublishing-Plattformen für eine Welle anstößiger und illegaler Inhalte? Das Problem sei nicht neu, so Dennis Schmolk von Bookrix, der Lübbe-Selfpublishing-Plattform, die vom „Handelsblatt“ neben anderen als Fake-News-Absenderin erwähnt wurde. Heute müsse man allerdings mehr Einzelentscheidungen treffen – Schmolk tendiert dabei eher dazu, auf Zensur zu verzichten.




Haben Selfpublishing-Dienstleister ein Fake News—Problem, wie vom „Handelsblatt“ attestiert?

Ich halte den Begriff „Fake News“ für irreführend. Diese Inhalte unterscheiden sich nicht von den Verschwörungstheorien, die wir seit Jahrzehnten aus verschiedenen Lagern kennen. Der Inhalt reicht von gewagten Interpretationen politischer Ereignisse bis hin zur Beweisführung, dass Michelle Obama ein transsexueller Echsenmensch ist. Das Problem mit solchen Inhalten ist nicht neu. Damit beschäftigen sich „User Generated Content“-Plattformen seit jeher, ob es um geistiges Eigentum, gewalttätige, erotische oder eben politische Inhalte geht. Die Grundabwägung ist: Wie stark wollen wir als UGC-Plattform in die freie Meinungsäußerung eingreifen? Der Gesetzgeber verortet die Meinungs- und Publikationsfreiheit recht hoch, wie böswillig, bescheuert oder widerlich die Meinung auch sein mag. Und die meisten von uns wollen ja auch nicht in einem Staat leben, in dem Zensur an der Tagesordnung ist. Und damit steht man dann regelmäßig vor Einzelfallentscheidungen, wo man eingreift und wo man sich als unparteiischer Dienstleister mit Hausrecht versteht.

Was tun Sie konkret, um die Publikation anstößiger oder illegaler Inhalte zu verhindern?

BookRix kennt zwei verschiedene Arten von Büchern: Einerseits die Titel, die an Shops ausgeliefert und verkauft werden, andererseits kostenlose Bücher, die nur auf BookRix zu lesen sind. Bei den BookRix-only-Titeln prüfen wir nur, nachdem uns ein Anfangsverdacht gemeldet wurde.  Bei unseren Verkaufsbüchern prüfen wir aktiv, da wir jeden Titel auf formale Kriterien für die Shops abklopfen. Wenn uns dabei Verstöße gegen das Urheberrecht, das Strafrecht oder gegen Persönlichkeitsrechte auffallen, lehnen wir die Publikation ab. Bei Inhalten, deren „Unbedenklichkeit“ wir bezweifeln, aber fachlich oder zeitlich nicht beurteilen können, verzichten wir meistens ebenfalls auf die Veröffentlichung. Prinzipiell sehen wir uns aber als Plattform, die das Publizieren demokratisiert und jedem die Möglichkeit zur Veröffentlichung geben will. Und daher tendieren wir generell eher dazu, Bücher zu akzeptieren als abzulehnen. 

Reichen diese Mechanismen aus – auch angesichts der stetig wachsenden Novitätenzahl?

Ja, diese Mechanismen reichen aus. Aus unserer Sicht hat sich an der Grundproblematik nicht viel geändert. Neu ist vielleicht, dass im aktuellen politischen Klima Hemmungen verloren gehen und andererseits die Sensibilität steigt. Die Inhalte radikalisieren sich mit den Menschen. Das heißt für uns, dass wir mehr Einzelentscheidungen fällen müssen und dass wir auch unsere eigenen Wertvorstellungen immer wieder neu verhandeln müssen. 

Dennis Schmolk verantwortet bei Bookrix u.a. den „Content Check“ von Selfpublishing-E-Books. Die Bewertung von Nutzer-Inhalten begleitet ihn schon seit dem Aufbau von LYX Storyboard, den er für Egmont LYX begleitet.

14. Februar 2017


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