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Markt

Was kostet und bringt farbiger Digitaldruck?

4C-Digitaldruck für Selfpublisher: Vom Reiz und Preis der Farbe

Der Markt für farbigen Digitaldruck explodiert auch in der Buchbranche. Von den Chancen profitieren Selfpublisher, wenn sie richtige Konzepte haben.Technisch und preislich gibt es dabei aber noch viel Luft nach oben.

 

Digitaldruck in der Praxis: Volle Automatisierung ist das Geheimnis bezahlbarer Preise bei Auflage eins. Fotos: Tobias Kiebler/Eike Krebs

Die legendären Kochrezepte der Großmutter oder des Kleingartenvereins nachkochen, sie toll fotografieren und per Selfpublishing in den Handel bringen? Das konzentrierte Fachwissen über Gebäudesanierung, lokale Fußballgeschichte oder den Heimatort durch die passenden Illustrationen aufwerten? Die Lieblingsgedichte oder die heißen erotischen Erzählungen mit geschmackvollen Fotos emotionalisieren?

Die Fortschritte der letzten Jahre im digitalen Farbdruck, auch 4c-Druck genannt, machen Fantasie und ziehen Selfpublisher in ihren Bann. Zwar klafft noch eine Lücke zwischen bunten Selbstverleger-Träumen und kalkulatorischer Wirklichkeit, aber diese Lücke könnte sich bald schließen. Die Preise im Farbdruck gehen langsam, aber kontinuierlich nach unten. Selfpublisher werden sich in wenigen Jahren nahezu alle gestalterischen Möglichkeiten leisten können, die sie auch bei traditionellen Verlagserzeugnissen sehen. Bis es so weit ist, müssen Selbstverleger sich aber ein wenig nach der Decke strecken.

Der Preis der Buntheit

Geht ein Selfpublisher ohne Öffentlichkeitsambitionen und mit vollem Geldbeutel an ein Projekt, veranstaltet er also einen Privatdruck, sind seinen Wünschen kaum Grenzen gesetzt, betont Thorsten Simon, Pressechef des Selfpublishing-Portals Books on Demand (BoD). Anders, wenn der Autor auf Vermarktungserlöse reflektiert. BoD bietet Anhaltspunkte, welche Sprengkraft farbige Innenseiten für den kalkulatorischen Rahmen entfalten können (im Folgenden wurden 96 klebegebundene Seiten im Paperback-Format 15,5 x 22 cm zu einem Ladenpreis von 12 Euro zugrunde gelegt): 

 

  • Das für Farbseiten im Innenteil notwendige bessere Papier „Fotomatt 120 g“ statt des standardmäßigen „Weiß 90 g“ beschneidet den Erlös des Autors um 22%. 
  • Gönnt er seinen Lesern nur zwölf farbige Seiten, verliert er zusätzlich 17 Prozentpunkte seiner Marge. 
  • Etwaige Kochbuchträume mit durchgehenden Rezeptfotos schlagen hart auf der technisch-mathematischen Realität auf – ihm bleiben nur noch wenige Cent pro verkauftem Exemplar, um die aufwendige Fotografie zu bezahlen.

 

„Die 4c-Druckpreise für Print on Demand sind noch immer zu hoch. Für jemanden, der veröffentlichen will, macht das oft keinen Sinn, da die Bücher schnell zu teuer werden für eventuelle Kunden“, moniert auch Pierre Vroomen, CEO des niederländischen Dienstleisters Meinbestseller. Unter dem Namen Bookmundo betreibt er Angebote wie (M)Book, das Selfpublishing-Portal der Mayerschen Buchhandlung. Intelligente Buch- und besonders Bebilderungskonzepte sind also einstweilen das Gebot der Stunde. „Interessant sind einige Seiten in 4c. Komplette 4c-Bücher sind nur bedingt interessant“, meint Vroomen. „Jemand, der einige Seiten in 4c in seinem Buch braucht, ist oft gut bedient mit Print on Demand. Jemand, der seriös ein komplettes Farbbuch veröffentlichen will, kommt an einer Auflage nicht vorbei.“

BoD sieht dies anders. Die Erfahrungen des Dienstleisters aus fast 20 Jahren Print on Demand schlagen sich, so Thorsten Simon, in einem ausgefeilten voll integrierten und damit preisgünstigen Produktionsablauf nieder. Und „Auflage“ heißt immer Vorfinanzierung, Lagerhaltung und Risiko – nicht jedermanns Sache im Selfpublishing. Selfpublisher sollten den Aufwand eines selbst organisierten Einzelversandes nicht unterschätzen, gibt Simon zu bedenken. Seine Autoren fahren am besten, wenn sie Kleinauflagen im Rahmen von Events oder Massenaussendungen bestellen und für den Abverkauf bei Auflage eins bleiben. 

Wer aber über verlässliche Absatzkanäle verfügt oder seiner Sache sehr sicher ist, der findet auf den Seiten der Dienstleister Preise für den digitalen Kleinauflagendruck. Beim Beispieltitel steigt die Nettomarge ab 25 auf einmal gekauften Exemplaren um 3,65 Euro pro Stück, ab 200 Exemplaren wächst die Marge um 5,33 Euro. Ein Preisvergleich der verschiedenen Anbieter hinsichtlich der Nebenkosten – wie beim Transport der Bücher zum Händler oder Verbraucher – lohnt auch beim Auflagendruck. 

Gefragt: intelligente Farbkonzepte

Ob Auflage eins oder Kleinauflage, aussichtsreich sind in jedem Fall Bücher, die mangels Konkurrenzprodukten hohe Preise erlauben. Das können zum Beispiel im Kochbuch Trendthemen sein – beim Thema Thermomix etwa hatten Selfpublisher die Nase ziemlich weit vorn. Vegan-Küchenmeister Attila Hildmann feierte seine ersten Erfolge im Selfpublishing. Auch in der Nische kann Selfpublisher-Glück blühen. Legendär sind beispielsweise Matthias Mattings E-Reader-Handbücher, und im Bereich Digitalfotografie hinterlassen zurückweichende traditionelle Publisher Lücken, in die Technikexperten hineinstoßen können. Wer über unverwechselbares Fotomaterial verfügt oder eine eigene kreative Handschrift hat, etwa als Kinderbuch-Autor, Cartoonist oder Comic-Zeichner, muss sich um Verkaufspreise weniger Sorgen machen als darum, seine Handschrift und Alleinstellung durch das richtige Marketing durchzusetzen.

Zum Marketing gehört beim Selfpublishing ganz besonders die Verfügbarkeit in allen Handelskanälen. Die großen Dienstleistungsplattformen nehmen einander an dieser Stelle nicht mehr allzuviel, versichert Selfpublishing-Experte Matthias Matting. Alle sind an den Buchgroßhandel angeschlossen und ermöglichen dadurch den Zugriff der Internetbuchhändler und des stationären Sortiments.

Sorgfalt zahlt sich aus

Wer als Selfpublisher auf Farbe setzt und die höheren Ladenpreise durchsetzen möchte, stellt fest, dass in den Katalogeinträgen – den sogenannten Metadaten – meist die Abbildungsvermerke fehlen, die bei traditionellen Verlagsprodukten selbstverständlich sind. Ein opulent farbig fotografierter Band unterscheidet sich aus der Sicht eines Kunden, der den Werbetext nicht durchliest oder keine Innenseiten ansehen kann, nicht von einem reinen Textbuch. Diese Angaben fehlen dann auch auf den Handelsplattformen. Auch die PoD-Dienstleister erkennen diesen Mangel.

Erfolgreich mit Digitaldruck-Kalendern

Mangelnde Aufmerksamkeit für Metadaten kann man dem Calvendo Verlag nicht unterstellen. Der Dienstleister ist 2012 aus einem klassischen Kalenderverlag hervorgegangen und bietet heute eine hohe fünfstellige Anzahl an Produkten von Tausenden von Bildautoren an. Fotografen nehmen ihn für ihre Kalender in Anspruch, müssen aber einen achtstufigen Zulassungsprozess bestehen, der bei der Bild- und Persönlichkeitsrechte-Prüfung beginnt und bei der Qualität der Bild- und Metadaten noch lange nicht endet. Die Sicherung der Qualität ist Teil des Calvendo-Geschäftsmodells, versichert Geschäftsführer Hans-Joachim Jauch. Sein Erfolg beglaubigt auch die hohe Qualität des 4c-Digitaldrucks, mit der üblicherweise die Zuschussverlage für sich und den klassischen Offset-Auflagendruck werben: „Für fast alle Produktformen im Medienbereich ist Digitaldruck sehr gut geeignet. In unserem Segment des mittel- und großformatigen Bilderdrucks stellen wir beim Verbraucher keinerlei Aversion fest. Die allermeisten Käufer bemerken keinen Qualitätsunterschied zum Offsetdruck.“

Eine wichtige Bedingung für Qualität im Farbdruck ist korrektes Farbmanagement, betont Thorsten Simon (BoD). Bei Selfpublishern hapert es oft am Bewusstsein für die erforderlichen Datenformate. BoD gibt seinen Autoren daher detaillierte Empfehlungen zum Colour Management. Denn die Qualität des Endproduktes kann niemals besser sein als die Qualität seiner Teile.

Text: Michael Lemster

 

 

Beispiele gelungener Selfpublishing-Titel mit hohem Farbanteil

Handkäse Deluxe

Mirko Reeh, 100 Seiten, broschiert, 17 x 22 cm, durchgehend farbig illustriert, 12 Euro, Books on Demand

Der TV-Koch und Gastronom setzte einen regionalen Trend, indem er die gewöhnungsbedürftige hessische Spezialität kulinarisch veredelte. Der Digitaldruck erlaubte es ihm, nur besonders geeignete Rezepte zu illustrieren und dennoch den Eindruck durchgehender Bebilderung zu wecken.

 

Enzyklopädie der Elixiere

Jewgeni Awerbuch, 124 Seiten, Festeinband, 15 x 21cm, durchgehend farbig illustriert, 45 Euro, Neopubli (Epubli)

Der russischstämmige Autor hat einen Ruf als Heilpraktiker und besetzt mit einem professionell layouteten Handbuch ein kaum publiziertes Themenfeld in hochwertiger Ausstattung.

 

Eat Cake for Breakfast

Stefanie Ortmann, Suzanne Jennerich, 170 Seiten, laminierter Festeinband, 17,5 x 22,5 cm, durchgehend illustriert, 22 Euro, Books on Demand

Dieses liebevoll designte Buch der Brunch-Rezepte wäre in einem klassischen Verlag nie erschienen. Das Layout stellt auf Strichzeichnungen und handgeletterte Überschriften ab, die ein glänzendes schweres Papier besonders zur Geltung bringt. Der Digitaldruck sorgt für ein leichtes Relief und damit für ein haptisches Erlebnis.

 

Träum mit mir

Paja Reisch, 36 Seiten, laminierter Festeinband, 21 x 15 cm, durchgehend farbig illustriert, 16,95 Euro, Neopubli (Epubli)

Die junge Autorin lädt Kinder in zarten Aquarellen und Reimen zum Selber-ergänzen ein, träumerisch die Natur zu entdecken.

12. März 2017


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