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Bücher

Rezensiert: „Trumps Amerika“ von Bernhard Klee

Trump durch die amerikanische Brille betrachtet

Der Marketingexperte Bernhard Klee (arbeitete für Firmen wie Procter & Gamble, Unilever und T-Mobile) lebt seit vielen Jahren in den USA. Im Wahljahr 2016 hat sich Klee mit „Trumps Amerika“ auseinandergesetzt. Fazit der Indie Publishing-Rezensentin: eine etwas oberflächliche, aber lesbare Analyse.


Man muss Trump nicht mögen, und für viele verbietet sich das sogar, aber man muss anerkennen, dass Trump mit seinem Wahlsieg etwas geschafft hat, was für viele komplett unmöglich schien.

Der Österreicher Bernhard Klee, der seit fast sieben Jahren in den USA lebt, hat diesen Sieg bereits während des Wahljahrs 2016 geahnt und im September das Buch „Trumps Amerika“ veröffentlicht. „Trump kann gewinnen“, schreibt er, „denn Amerika ist die Spaltung in links und rechts leid. Es geht vielmehr darum, dass die Mittelschicht einen Champion für ihre Anliegen sucht, der ihnen eine Stimme verleiht und der seine Politik nicht nur nach Lobbys und Interessengruppen ausrichtet.“

In seinem Buch „Trumps Amerika“ analysiert er in vier Kapiteln (Das Phänomen Trump; Clinton vs. Trump; Präsident Trump; Trumps Vermächtnis) mit großem politischem Hintergrundwissen, was hinter Trump steckt. Durchaus mit Gewinn. Denn er lässt uns ab manchen Stellen Trump durch die amerikanische Brille sehen und damit die Gründe für dessen Sieg verstehen. 

Ein Fazit, das er zieht: „Donald Trump symbolisiert sehr stark den American Way of Life, den erfolgreichen Geschäftsmann, der immer reicher und mächtiger werden will und dabei sehr puritanisch agiert: harte Arbeit und kein Alkohol. 

Zu einer Zeit, in der viele Politiker sich besonders stark um Political Correctness bemühen, aber in der gleichzeitig das Land wie gelähmt erscheint, weil sich ein linker Präsident und ein rechter Kongress unversöhnlich gegenüberstehen, sticht ein Kandidat wie Donald Trump besonders hervor. Er wird als authentisch wahrgenommen genommen, als apolitisch und als „Advokat der Arbeiterklasse“, obwohl er ein sehr abgehobenes Milliardärsleben führt. Trump sieht sich selbst als die Stimme des Volkes und benutzt dabei sehr stark Twitter und andere soziale Medien, um seine Botschaft direkt mit seinen Anhängern zu teilen, ohne den Umweg über die traditionellen Medien.“

– Sätze, die wie Binsenweisheiten klingen, aber deshalb nicht weniger wahr sind. 

Für den Leser besonders erhellend ist das Kapitel „Präsident Trump“. Hier wagt der Autor einen Blick in die Glaskugel und spielt einmal durch, wie sich Amerika unter der Führung Trumps verändern wird. „Die offene Frage ist, wie schnell der provokante und aggressive Kandidat Donald Trump zum seriösen und weitaus „langweiligeren“ Teil des Regierens und des rationalen Beurteilens und Entscheidens übergehen wird. Das wird auch davon abhängen, wie gut es ihm gelingen wird, Koalitionen im Kongress zu schmieden, die er zur Umsetzung seiner Vorhaben braucht.“ Noch ist diese Frage ja nicht geklärt…

 

Alles in allem eine lesbare Analyse an der Oberfläche, auch wenn gelegentlich die unverhohlene Begeisterung des Marketingexperten Bernhard Klee für Trumps Siegerqualitäten irritiert. Leider spart der Autor auch wichtige Themen wie Trumps Frauen- und Fremdenfeindlichkeit aus. Hier hilft nur ein Blick in die Widmung des Autors, um eine Haltung dazu zu erfahren:

„Meinen Söhnen Vincent und Benjamin gewidmet. Sowie allen Menschen, die für eine freiere Welt kämpfen, in der Frauen die gleichen Rechte wie Männer haben, alle Kinder ohne Gewalt und Hunger aufwachsen und alle Menschen ihre Meinung frei äußern dürfen.“ 

Partner dieser Rezension ist Lesering.de



Bernhard Klee: Trumps Amerika, Paperback (auch als E-Book verfügbar), 172 Seiten, 18,90 Euro, Books on Demand, ISBN 978-3-7412-7897-6

16. Januar 2017


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